K0V
Geschichte der »eueren Zeit.
geeignete Mann' schien, um die Staaten von Holland, besondersden Magistrat von Amsterdam, welche den Planen Wilhelm's stetsentgegen gewesen waren, mit dem Prinzen auszusöhnen; denn solange dies nicht geschehen war, konnte Wilhelm nicht daran denken,gegen seinen Schwiegervater offenbar feindlich aufzutreten.
Dykveld löste auch diese schwierige Aufgabe. Er faßte dieSache von der politischen Seite, wobei es ihm sehr zu Stattenkam, daß man gerade damals von der bevorstehenden Geburt einesNachkommen Jakob's redete, und daß dessen Gemahlin im Juni1688 wirklich mit einem Sohne niederkam. Die Geburt diesesPrinzen, dessen Ächtheit nachher, wiewohl wahrscheinlich ohne Grund,überall bestritten wurde, war für Holland und für den Protestan-tismus ein sehr bedenkliches Ereigniß; denn durch sie ward die inEngland bestehende katholische Regierung, sowie zugleich England'sVer- .
bindung mit Ludwig XIV. fest gegründet und die ganze bisherige gegen ^
Ludwig gerichtete Politik vereitelt. Dykveld brachte durch seine ^
Gewandtheit die Bürgermeister von Amsterdam dahin, daß sieerklärten, sie könnten zwar dem Prinzen zu einem Angriffe aufEngland nicht rathen, würden aber, wenn er das Unternehmen fürsich allein wage, Alles thun, um ihn zu unterstützen. Jetzt erstließ Wilhelm durch seinen Freund, den Groß-Pensionarius Fagel,den Generalstaaten den Vorschlag machen, unter dem Vorwandedes drohenden Ausbrnches eines Kriegs mit Frankreich vier MillionenGulden für die Ausbesserung der festen Plätze u. dgl. m. als Anlehenaufzunehmen. Dieser Vorschlag wurde angenommen, und so großwar damals der Überfluß an baarem Gelde und die Anhänglichkeitan den Protestantismus in den Niederlanden, daß, wie d'Avaur inseinen Negotiationen sagt, die ganze Summe innerhalb acht Tagenzusammengebracht war, obgleich nur jedes Jahr eine Million hatteerhoben werden sollen. Die ganze Angelegenheit wurde vier De- ipntirten der Generalstaaten überlassen. Diesen vertraute Wilhelmsein Geheimniß an, und sie bewahrten ebenso, wie die unter Zuy-lenstein's Leitung conspirirenden Engländer, dasselbe so gut, daßJakob, trotz aller Warnungen Ludwig's XIV., in thörichter Sicher- >heit verharrte. Der König von England blieb sogar dann nochsorglos, als die Generalstaaten unter dem Vorwande eines bevor-stehenden Krieges mit Frankreich neuntausend Matrosen werben