Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
606
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tittk Geschichte der neueren Zeit.

waren, eine neue, fast durchaus aristokratisch-plutokratische Regierungein, der sie, weil dem Engländer die Form stets mehr ist, als dasWesen, den Schein rechtlicher Formen verliehen. Wir glauben überdiese sogenannte Revolution nicht urtheilen zu dürfen, da unsereStaatswissenschaftler und besonders das englische Volk dieselbe stetsbewundert haben, das Urtheil der Menge aber über die Angelegen-heiten der Menge allein entscheidend ist. Wir können uns daherkurz fassen. Wilhelm hatte nach englischem Grundsätze kein Recht,ein Parlament zu berufen; er vereinigte also mit den vierzig vonJakob berufenen Pairs alle die Männer, welche unter Karl II. inirgend einem Parlament gesessen hatten, gesellte ihnen den Lord-Major und Stadtrath von London zu, bildete so eine Versammlungund ließ durch sie ein Parlament berufen. Dieses neue Parlamenteröffnete am 23. Januar 1689 seine Sitzungen. Es ward übrigens, ^weil nur ein König ein Parlament berufen durfte, nicht Parlament, ssondern Convention genannt. Gleich nach seinem Zusammentritt i

ersuchte es zwar den Prinzen, die Regierung bis auf Weiteres i

fortzuführen; beide Häuser schienen aber, weil in ihnen die Zahlder Tones oder Anhänger des reinen Royalisinus sehr stark war,nicht gerade gern Wilhelm's Absichten in Betreff des damals zwischenFrankreich und Holland ausgebrochenen Krieges zu fördern. Wil-helm war verstimmt, seine Persönlichkeit gefiel den Engländernnicht, weil diese nach der Regierung Karl's H. und Jakob's II. fürseinen strengen Ernst, für seine stille Größe und für die kalte Po-litik, die ihn höchst unliebenswürdig machte, keinen Sinn hatten.

Auch er traute ihnen nicht, und ließ sich in seinem Palast von denholländischen Garden bewachen. Gleichwohl zeigte sich sogar imOberhause der sogenannten Convention nur wenig Widerspruch ge-gen den Vorschlag, den Thron für erledigt zu erklären, weil Jakob >ihn freiwillig verlassen habe. Dagegen wurde heftig über die Frage ;

gestritten, wie es mit der Regierung gehalten werden solle. Einige i

bestanden darauf, daß nur Wilhelm's Gemahlin als rechtmäßige !Erbin des Thrones regieren könne; diese wollten keinen König,sondern nur einen Regenten haben. Andere wollten dem Prinzenund seiner Gemahlin die Regierung überlassen; Wilhelm erklärteaber, daß er in diesem Falle nach Holland zurückkehren und Englandsich selbst überlassen werde. Dies wirkte, weil mit Wilhelm's Ent-