England u. Paul's Bund der bewaffneten Neutralität. 7
schwedische König würde, obgleich er die Aufforderung der brutalenSeeräuber zurückwies, sich ebenfalls der Übermacht haben fügenmüssen, wenn nicht in Folge der Ermordung des Kaisers Paul(23. März 1801) der Neutralitäts-Bund sich von selbst auf-gelöst hätte.
Paul hatte sich allen Klassen des russischen Volkes unerträglichgemacht. Er war, trotz seiner edeln Gesinnung, ein Spielball sei-ner Launen und, ungeachtet seiner mitunter scharfen Urtheilskraft, imGeiste verwirrt geworden. Grausame Strenge und kleinliche Nach-sucht wechselten mit Handlungen der Milde und Großmuth, Tau-sende von Menschen wurden unschuldiger Weise nach Sibirien ge-schickt, und niemand war seiner Stelle oder seines Lebens einenAugenblick sicher. Selbst die schöne und tugendhafte Kaiserin konntemit ihren Söhnen dem Argwohn des gemüthskranken Mannes nichtentgehen, obgleich sie jede Kränkung geduldig ertrug. Es hieß so-gar, Paul wolle sie in das südliche Rußland verbannen und seineSöhne in Festungen bringen lassen. Unter diesen Umständen wares ganz natürlich, daß eine Anzahl russischer Großen auf den Ge-danken kam, sich durch gewaltsame Beseitigung des Herrschers zuhelfen. Dieses Mittel ist bekanntlich das einzige, durch welches inDespotieen eine Veränderung der Negierungsmaßregcln erlangtwerden kann, weil in solchen Reichen Recht und Gesetz ganz alleinauf der Person des Herrschers beruhen.
Die Verschwörung gegen Paul ward vorn Grafen Pahlengestiftet, welcher nicht nur Oberbefehlshaber der Truppen der Haupt-stadt, sowie Director der Polizei und des Reichs-Postwesens, son-dern seit dem 10. März auch Mitglied des Ministeriums der aus-wärtigen Angelegenheiten war und, weil er jeden Augenblick derUngnade des launischen Despoten gewärtig sein mußte, durch Töd-tung desselben seinem eigenen Sturze zuvorzukommen suchte. SemeMitverschworenen waren Benningsen, Tschitschakow, dieBrüder Suboff, die Orlows und andere Große und Generale,welche zum Theil schon bei Peter's III. Ermordung thätig gewesenwaren. Auch der älteste Sohn Paul's, Alexander I., wurde mitin die Verschwörung hineingezogen. Dieser von Natur weichmüthigePrinz ließ sich erst dann bewegen, in die Absetzung seines Vaterseinzuwilligen, als Pahlen ihn durch die Vorstellung von Gefahren,