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Geschichte der »eueren Zeit.
in einem seiner Schuldenlast und seiner ererbten Misbräuche ent-ledigten Reiche Handel und Industrie aufs neue schuf, erreichteEngland mit seiner Herrschaft der Reichen und Begüterten den-jenigen Punkt des Glanzes und der Macht, von welchem aus nurnoch ein Zurücksinken möglich war, und die Unvollkommensieit seinesganz aristokratischen Staatsgebäudes machte sich, mitten im höchstenäußeren Glänze, für die Mehrzahl seiner Bürger auf eine immerdrückendere Weise fühlbar.
Englands Macht hatte zu aller Welt Erstaunen sogar dadurchkeine Einbuße erlitten, daß es 1783 zum ersten Male seinen Feindenbedeutende Vortheile zugestehen mußte (s. Th. XVII., S. 25 f.), undin seinen demokratischen Landsleuten jenseit des Meeres gefährlicheNebenbuhler erhielt. Im Gegentheil, die Dritten erreichten geradezu dieser Zeit den Gipfel der Blüthe in Hinsicht auf Handel, Ge-werbe, Schifffahrt, Reichthum und politischen Einfluß; und was siein Amerika verloren hatten, das gewannen sie am Indus und Gangesmehr als doppelt wieder. Allein so sehr auch ganz Europa vomGlänze England's und von dem Scheine seines Glückes und seinerFreiheit geblendet wurde und zum Theil noch ist, so leidet doch derbrittische Staat seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts an dreiKrankheiten, welche die Grundlage seiner Verfassung und seinesLebens untergraben, und früher oder später den Einsturz des ganzenkünstlichen Gebäudes herbeiführen werden. Erstens ist durch dieVerarmung des Bauernstandes, durch das zunehmende Verschwindender kleineren Gewerbsthätigkeit, durch das für die Armen verderblicheÜbergewicht der großen Kapitalien, der Maschinen-Arbeit und derActien-Unternehmungen das Wesen der alten Verfassung zerstört wor-den, während diese selbst der Form nach und als ein todtes Räder-werk noch fortbesteht. Die herrschende Klasse England's leidet daheran denselben Übeln, von welcher einst die römiscke Aristokratie, alssie die Herrschaft der Welt erlangt hatte, gedrückt wurde. Sie blicktmit einer erblich gewordenen stolzen Verachtung auf alle anderenMenschen herab, und sieht in diesen nur zur Arbeit geborene Sklavenund willenlose Werkzeuge, erfreut sich selbst aber, wie jeder uner-meßlich Reiche, blos der Außenseite des Glückes. Mit dieser erstenKrankheit, welche bei der anscheinenden Fülle der Gesundheit niemandgewahr wird, hängt eine andere als nothwendige Folge zusammen.