Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

einzelnen Entschädigungen mit einander verabredet hätten, ohne diegeringste Änderung anzunehmen. Im September ließ sich sogarder preußische Gesandte in Paris, Lucchesini, von Bonaparte alsWerkzeug gebrauchen, um die Ostreicher durch Drohungen aus denvon ihnen besetzten Bisthümern Passau und Salzburg wieder hin-auszutreiben. Lucchesini schloß und unterschrieb nämlich am 5. Sep-tember, ohne vorher eine Vollmacht seines Königs einzuholen, einenVertrag mit Bonaparte, durch welchen Preußen sich verpflichtete,Östreich nöthigensalls mit Waffengewalt zur Unterwerfung unterBonaparte's Willen zu zwingen. Dies ward dann wieder vonTalleyrand sehr schlau benutzt, um die drei bedeutendsten StaatenDeutschland's unter einander zu entzweien. Talleyrand brachtenämlich nicht nur dem östreichischen Gesandten in Paris, PhilippCobenzl, den Glauben bei, daß Preußen ganz allein an der Sacheschuld sei, sondern er gewährte auch den Östreichern eine Ent-schädigung auf Kosten Baiern's. Ähnlicher Künste und Täuschungenbediente sich Bonaparte selbst, um Rußland zu täuschen und in derganzen deutschen Angelegenheit nur seinen eigenen Willen geltendzu machen.

Am deutschen Reichstage wurde viele Monate lang über dieEntschädigungsfrage berathen, protokollirt und gestritten; und manwürde noch Jahre lang in dieser Weise fortgefahren haben, wennnicht Frankreich und Rußland befehlend eingeschritten wären. ImOktober 1801 hatte der Reichstag die Sache einem Ausschusse oder,wie man in der Kanzlei-Sprache sich ausdrückte, einer Reichs-Deputation übertragen. Dieser Ausschuß war jedoch erst im Au-gust 1802 zusammengetreten, nachdem die Fürsten ihre Sache bereitsfür sich allein in Paris ausgemacht hatten. Am 24. August hattenFrankreich und Rußland den oben erwähnten Befehl ertheilen lassen.Obgleich beide Staaten den ganzen Entschädigungsplan längst festbestimmt hatten, und der Reichstag nur der bloßen Form wegenseine Einwilligung geben sollte und konnte, so dauerte eS doch nochviele Monate lang, bis dies endlich geschah. Erst nachdem KaiserFranz II. durch den drohenden Vertrag vom 5. September unddurch die Entschädigungen, welche Frankreich und Rußland ihm imDecember für sich und für zwei verwandte Prinzen bewilligten, vonseinem Widersprüche abgebracht worden war, kam endlich am 25.