Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
67
JPEG-Download
 

Frankreich. Wiederausbruch des Krieges mit England. 87

rung die Ausweisung der Verschwörer, sowie die gerichtliche Ver-folgung der Zeitungen. Da jedoch diese Forderung nach denBestimmungen der englischen Verfassung nur in sehr beschränktemUmfange gewährt werden konnte, so glaubte Bonaparte, die inEngland herrschende Aristokratie nehme mehr Rücksicht auf die ver-triebenen französischen Prinzen und Edelleute, als auf die im Friedenvon Amiens anerkannten neuen Verhältnisse von Frankreich. Erhalf sich also selbst. Die Zeitungen Frankreichs und seiner Vasallen-Staaten mußten die ärgsten Schmähungen gegen England aufneh-men, welche zum Theil sogar von ihm selbst dictirt wurden. Da-durch ward dann aus dem politischen Zwiste zweier Staaten einpersönlicher Streit zwischen Bonaparte und der englischen Aristokratie.

Schon im November 1802 war es so weit gekommen, daß sichauf beiden Seiten die Überzeugung von der Unvermeidlichkeit desKrieges deutlich zu erkennen gab. Die englischen Minister ließendamals ihren König in der bekannten halbdunkeln Sprache derThronreden öffentlich aussprechen, daß der Zustand von Europabedenklich sei und bald Rüstungen nöthig machen werde. Zu der-selben Zeit vertauschten beide Regierungen, was gewöhnlich einZeichen von ernster werdenden Verwickelungen ist, ihre nützlichenGesandtschaften mit glänzenden. England schickte seinen früheren Ge-sandten beim Kaiser Paul, Lord Whitworth, mit einem zahlreichenGefolge nach Paris; Bonaparte ersetzte seinen Gesandten in London,den äußerst gewandten und wegen seines Privat-Charakters in Eng-land sehr geachteten, aber zum bloßen Repräsentiren nicht gemachtenDiplomaten Otto, durch einen Mann von höherem Rang, denGeneral Andre ossy, welcher bei aller seiner militärischen Tüchtig-keit keine diplomatische Erfahrung hatte. Bei den mündlichen Unter-handlungen zwischen Bonaparte und Lord Whitworth leistete derErstere durch seine korsische Heftigkeit und militärische Barschheit denAbsichten der englischen Aristokratie einen bedeutenden Vorschub.Bonaparte besaß nämlich nichts von jener Eiskälte und Verstellungs-kunst, welche zwei Haupteigenschaften eines Diplomaten sind; er ließsich deshalb in den Unterredungen mit Whitworth zu leidenschaft-lichen Äußerungen und zu wirklichen Grobheiten hinreißen. Erbeleidigte dadurch nicht blos die herrschende Klasse, sondern auch deneigentlichen Kern der englischen Nation; und in Folge davon wurden