Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
74
JPEG-Download
 

74

Geschichte der neueren Zeit.

Leidenschaft des ersten Consuls noch vergrößert. Bonaparte ließsich nämlich gegen Alerandcr's Gesandten in Paris, Markoff,welcher Verbindungen mit den französischen Noyalisten unterhieltund sich in den Salons mit großer Unvorsichtigkeit über Bonaparteaussprach, zu ähnlichen Ausbrüchen seines Zornes hinreißen, wiefrüher gegen den englischen Gesandten Whitworth (s. S. 67). InFolge davon wurde Markoff im November 1803 abgerufen unddurch einen bloßen Geschäftsträger (Oubril) ersetzt.

Im Frühjahr 1804 führte endlich die Ermordung des Herzogs vonEnghien den völligen Bruch herbei. Alexander, dessen weiches Ge-müth von dieser That aufs heftigste getroffen wurde, legte bei derNachricht von derselben sogleich mit seinem ganzen Hofe Traueran, empfing den französischen Gesandten (Hedouville) bei dernächsten Audienz in Trauer, und erließ an Bonaparte eine sehrernste Note. Zugleich forderte er den Negensburger Reichstag auf,wegen der schreienden Verletzung des deutschen Bodens eine Genug-thuung zu verlangen. Außer dem russischen Kaiser nahm sich nurKönig Gustav IV. von Schweden, wiewohl freilich nach der Arteines seiner Geisteskräfte nicht mehr ganz mächtigen Mannes, desschwer beleidigten Reiches an; alle übrigen Neichsstände dagegenund der deutsche Kaiser selbst blieben stumm. Talleyrand hattedaher ganz Recht, als er der dem Reichstage übcrgebenen russischenNote die Erklärung entgegensetzte, daß der russische Kaiser in dieserdeutschen Angelegenheit nicht mitzusprechen habe, so lange nicht dasReich selbst sich über die Sache beklage, und die Bürgschaft deutscherUnabhängigkeit anrufe, welche Alexander von seiner Mitwirkung beider neuen Einrichtung des Reiches herleitete. Dagegen ward diein Paris überreichte russische Note auf ungeschickte Weise beant-wortet, weil Bonaparte selbst die Antwort dictirte, und auch beidieser Gelegenheit wieder seine persönliche Leidenschaft in eine reinpolitische Angelegenheit mischte. Es wurde nämlich in der Erwide-rungs-Note nach der uncrwiesencn Voraussetzung, daß England beiPaul'ö I. Morde betheiligt gewesen sei, die Frage ausgesprochen,ob sich denn Rußland bedacht haben würde, die Anstifter jenesMordes aufheben zu lassen, wenn dieselben sich ganz nahe an derrussischen Grenze befunden hätten. Man erinnerte also das sehrempfindliche Gemüth Alerandcr's auf harte Weise an die Ermor-