Italien. Napoleon's Verfügungen 1808. 1üK
„Die neapolitanische Dynastie, hieß es in seinem Manifest, hataufgehört zu regieren; ihre Existenz ist mit der Ruhe von Europaund mit der Ehre meiner Krone unverträglich." Als das französischeHeer gegen Neapel heranzog, schifften sich die russischen Truppen,welche von ihrem Kaiser abgerufen worden waren, nach Korfu ein;die Engländer aber setzten nach Sicilien über, um, wie sie sagten,diese Insel zu schützen. Marie Karoline hoffte zuerst durch De-müthigung einen Frieden zu erlangen; aber ihr Unterhändler, derberüchtigte Kardinal Ruffo (s. Th. XVII., S. 457 f.), wurde garnicht über die französische Grenze gelassen. Sie faßte daher, währendihr Gemahl schon am 13. Januar 1806 nach Sicilien entflohenwar, ihrem männlichen Charakter gemäß den Entschluß, die Lazzaroniund die Calabresen unter die Waffen zu rufen und verbunden mitihrem kleinen Heere den Franzosen entgegenzustellen. Als jedochdiese herannahten, leistete man ihnen fast nirgends Widerstand. DieKönigin mußte daher ihrem Gemahle nach Sicilien folgen, und am15. Februar zogen Joseph Bonaparte und Massen« in die StadtNeapel ein. Vier Wochen später wurde auch Calabrien, welchesder neapolitanische Kronprinz vertheidigte, erobert und dieser zurFlucht nach Sicilien genöthigt.
Am 1. April ward Joseph, welcher bereits die Verwaltung desLandes neu eingerichtet hatte, von seinem Bruder zum Könige beiderSicilien ernannt. Der gebildete Theil des neapolitanischen Volkeswar mit dem Wechsel der Herrschaft nicht unzufrieden, da trotz allerOpfer, welche mit demselben verbunden waren, sich doch endlich dieAussicht auf bessere Zeiten eröffnete. Napoleon verwandelte aberauch das Königreich Neapel in einen bloßen Vasallen-Staat desfranzösischen Reiches; denn er erklärte dasselbe nicht nur für einbloßes Mannslehen von Frankreich, sondern er machte auch denBeherrscher von Neapel dadurch zu einem französischen Unterthan,daß er die neapolitanische Krone mit der erblichen Würde einesGroßwahlherren von Frankreich unzertrennlich verband. Außerdemmußte Neapel ebenso, wie das Königreich Italien, das Seinige bei-tragen, um die Männer, welche Napoleon's Reich stützten, zu belohnen.Napoleon verlieh nämlich nicht nur das im neapolitanischen Reichegelegene päbstliche Fürstenthum Ponte Corvo dem GeneralBernadotte, und das ebenfalls dem Pabste gehörende Fürsten-