Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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108 Geschichte der neueren Zeit.

welche im Juni schon so weit gediehen waren, daß keine anderenSchwierigkeiten mehr bestanden, als in Betreff des Schicksales vonHannover und Sicilien. Da Napoleon England an sich zu ziehenund dagegen mit Preußen zu brechen wünschte, so ließ er im Junider englischen Regierung erklären, daß die Frage über den Besitzvon Hannover kein Hinderniß für den Abschluß eines Friedens seinsolle. In dieser Erklärung lag, daß Preußen zur ZurückgabeHannover's allenfalls gezwungen werden könne und solle. Zum Ab-schlüsse eines Friedens mit England kam es jedoch, wie wir spätersehen werden, nicht.

Zu Italien schaltete Napoleon nacy der Beendigung desdritten Coalitions-Krieges mit fast noch größerer Willkür, als inDeutschland. Dort bedachte er nicht nur seine Schwestern Eliseund Pauline mit einträglichen Besitzthümern (s. S.82f.), sonderner schuf auch im Gebiete des Königreiches Italien zwölf Herzog-thümer, welche für erbliche französische Reichslehen erklärt undspäter an Leute vertheilt wurden, die sich um ihn und sein Reichverdient gemacht hatten. Mit dem Besitze dieser Lehen waren sehrbedeutende jährliche Einkünfte verknüpft, welche größtenteils ausden Erträgen der Domänen des Königreiches Italien bestrickenwurden. Außerdem mußte das Königreich nicht nur jeden Monatdritthalb Millionen Francs zur Unterhaltung der französischen Be-satzungstruppen, sondern auch noch eine jährliche Rente von einerMillion zweimalhunderttausend Francs für Generale, Officiere undSoldaten der Napoleonischen Armee bezahlen.

In Unter-Italien gab die Königin Marie Karoline durch ihrVerfahren dem Kaiser gewissermaßen ein Recht, zu Gunsten seinerZwecke über ihr Land zu verfügen. Am 20. November 1805 warenneunzehntausend Russen und Engländer bei Neapel gelandet, undMarie Karoline hatte ihre Truppen mit denselben nach Ober-Italien aufbrechen lassen. Sie hatte sich also offen den FeindenNapoleon's angeschlossen. Dafür mußte sie nach der Schlacht beiAusterlitz des Kaisers Rache empfinden. Napoleon, welcher ent-schlossen war, seinen Bruder Joseph zum Könige von Neapel zumachen, ließ ein Heer unter Massen« gegen dieses Reich auf-brechen, und kündigte am 26. December der Welt seine Absicht miteiner Redensart an, die ihm von der Zeit an geläufig wurde.