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Geschichte der neueren Zeit.
daß Napoleon nicht angreifen, sondern den Angriff abwarten werde.Er hatte daher sogar dann noch keinen festen Plan entworfen, alser Ende September die einzelnen Armee-Corps in Thüringen zu-sammenzog, obgleich Napoleon bereits den Oberbefehl über seinHeer übernommen hatte und im Begriffe stand, die Feindseligkeitenzu beginnen. Zu diesem unseligen Schwanken und Zagen kam nochhinzu, daß im preußischen Heere weder an Ordnung und Zusammen-hang, noch auch an Fürsorge für Verpflegung zu denken war. Mantraf nicht einmal Anstalten, um die Absichten des Feindes auszu-kundschaften, während dieser Alles erfuhr, was im Lager der Preußenvorging. Dagegen fehlte es auch diesmal nicht an jenem über-müthigen Junkergeiste, welcher Preußen den Franzosen gegenüberschon einmal ins Unglück 'gestürzt hatte (s. Th. XVII, S. 279 f.).Jeder hielt das preußische Heer für unüberwindlich, jeder wolltebefehlen, weil jeder Alles am besten zu verstehen glaubte.
Den schneidendsten Gegensatz gegen die Planlosigkeit der preußi-schen Generale und gegen die in ihrem Heere herrschende Verwirrungbildete der Zustand des französischen Heeres. In diesem war Allesschon längst aufs beste angeordnet, und Napoleon leitete das Ganzemit kräftiger Hand. Er hatte eine furchtbare Macht in Frankenaufgestellt, während er zugleich vom Rhein und von Holland herOstfriesland, Oldenburg und Westphalen bedrohen ließ, und sichgegen die Ostreicher, trotz der von ihnen zugesagten Neutralität,durch die Festungen Braunau, Passau und Kuffstein und durch dasbaierische Heer gedeckt hatte. In Franken hatte er schon am25. September den Kurfürsten von Würzburg, einen Bruder desKaisers Franz, genöthigt, mit dem neuen Titel eines Großherzogesdem Rheinbünde beizutreten und sein Land wie seine Truppen denFranzosen preiszugeben. Am 6. Oktober kündigte Napoleon seinenSoldaten den Beginn des Krieges durch ein Manifest an, welchesin dem gewohnten Tone abgefaßt war, gerade deshalb aber diebeabsichtigte Wirkung machte. Am Tage danach erließ auch derKönig von Preußen ein Manifest, welches von Lombard undGentz verfaßt worden war. Dieses Manifest war gut, aber nichtsweniger als klug geschrieben; denn es enthielt die heftigsten Aus-fälle, welche einen an Macht überlegenen Feind unnöthiger Weiseerbittern mußten, und war eben deshalb zugleich eine Klageschrift