Preußen und Frankreich im Sommer und Herbst 1806. 117
zosen zu widerstehen, bewiesen hatte und deshalb zum allgemeinenGespötte geworden war.
Bundesgenossen fand Preußen nicht einmal unter den deutschenFürsten. Nur der Kurfürst von Sachsen, Friedrich August III.,verstand sich zuletzt nothgedrungen zur Theilnahme am Kriege.Friedrich August kannte den Zustand der preußischen Angelegenheitenzu gut, um sich mit Friedrich Wilhelm freiwillig zu einem Kampfezu verbinden, dessen glücklicher Ausgang mehr als zweifelhaft war.Er wiversetzte sich daher den ihm gemachten Zumuthungen, und alser endlich im Oktober einen Bundesvertrag mit Preußen abschließenmußte, that er es nicht allein unter beschränkenden Bedingungen,sondern er suchte auch daneben die Verbindung mit Frankreich zuunterhalten. Kurfürst Wilhelm I. von Hessen, den man vonSeiten Preußen's ebenfalls in den Krieg hineinzuziehen versuchte,ließ sich durchaus nicht gewinnen, weil er damals wie immer nurauf die Vergrößerung seines Privat-Vermögens bedacht war. Ersetzte zwar sein Heer auf den Kriegsfuß, um sich, wenn die Preußensiegten, an diese anzuschließen, gestattete aber andererseits auch denFranzosen den Durchzug durch sein Land. Da er trotz der Neutra-lität, die er sich von den Franzosen hatte zugestehen lassen, seinHeer in ihrem Rücken beisammen hielt, so verstrickte er sich nachherin seinen eigenen Netzen. Mit dem unglücklichen Gustav IV. vonSchweden hatte Preußen sich zwar im August endlich dahin ver-ständigt, daß derselbe Laucnburg besetzt halten dürfe; allein voneiner Hülfeleiftung war auch bei ihm keine Rede.
Als der Ausbruch des Krieges nicht mehr zweifelhaft war, faßteman in Berlin, ermuntert durch die patriotische Königin, durchBlücher, Scharnhorst, Rüchel und andere Männer, endlicheinen Entschluß, welcher, so verzweifelt er auch war, doch unter denobwaltenden Umständen allein Aussicht auf Erfolg hatte. Manwollte, um den Franzosen zuvorzukommen, gerades Weges auf dienach Franken ziehenden feindlichen Truppen herfallen und daswackere hessische Heer, welches schlagfertig bei Hanau stand, mit sichfortreißen. Dieser kühne Entschluß mußte aber sogleich wieder auf-gegeben werden, weil er zur systematischen Pedanterie des preußischenOberbefehlshabers durchaus nicht paßte. Ferdinand von Braun-schweig ließ sich durch des Jtaliäners Lucchesini Versicherung täuschen,