Frankreich und Preußen. Krieg im Jahre 1806. 123
Zwietracht. Mit den bei Magdeburg gesammelten Truppen suchteFürst Hohenlohe die Oder zu erreichen; er setzte sich aber zweiTage später, als er gesollt hätte, in Marsch, und machte es dadurchdem ihn verfolgenden Feinde möglich, ihn so sehr in die Enge zutreiben, daß er am 28. Oktober in Prenzlau eine schimpfliche Capi-tulation abschließen zu müssen glaubte. Diese Capitulation, die erauf den Rath seines Leiters, des Obersten von Massenbach,einging, machte zehntausend Preußen zu Kriegsgefangenen; Hohen-lohe selbst und die anderen Officiere wurden auf Ehrenwort ent-lassen. Von dem ganzen Corps des Fürsten entging damals nurdie von Blücher befehligte Nachhut der Gefangenschaft. Hohenloheund Massenbach hatten sich zu der schmählichen Capitulation vonPrenzlau entschlossen, weil sie über die Stärke der sie umgebendenFeinde getäuscht worden waren, und weil es ihren Truppen sowohlan Lebensmitteln und Munition, als auch an Muth und Ordnungfehlte. Nichtsdestoweniger hätten sie durch verzweifelten Kampfwenigstens die Ehre Preußen's und Deutschlands retten sollen, an-statt durch ihre Capitulation den Hohn und Spott der Feinde überihr Volk zu bringen. Es ist übrigens nicht unwahrscheinlich, daßMassenbach, welcher stets den Franzosen gewogen gewesen war, denFürsten Hohenlohe absichtlich habe täuschen lassen.
Die hochmüthigen adeligen Herren im preußischen Heere, welcheewig mit Friedrich dem Großen und dem siebenjährigen Kriege ge-prahlt hatten, benahmen sich nicht besser, als sie stets zu thun pfle-gen, wenn es blos das Recht, das Vaterland und die Freiheit gilt.Sie übergaben, um sich und ihre Güter zu retten, die ihnen anver-trauten Festungen auf schimpfliche Weise dem Feinde. Vor allenzeichneten sich Romberg, Jngersleben und Kleist durch Feig-heit und Niederträchtigkeit aus. Nomberg übergab am 29. Oktoberdas befestigte Stettin einem von Mürat vorausgeschickten Corpsleichter Kavallerie auf die erste Aufforderung, obgleich die Stadtsechstausend Mann Besatzung, hundertundfünfzig Kanonen undgenügende Vorräthe hatte. Napoleon selbst gerietst über die Feig-heit des Commandanten von Stettin so sehr in Verwunderung, daßer seinem Schwager spottend schrieb, er werde am Ende noch seinschweres Geschütz einschmelzen lassen, da man in Preußen Festungenmit Husaren erobern könne. Drei Tage nach dem Falle von Stet-