Frankreich und Preußen. Krieg im Jahre 1806. 125
ren, wies aber die Bedingungen, welche diese ihm mehrmals anbo-ten, zurück, und wandte sich, als die Franzosen ihm zuvorkamen,nach Lübeck. In dieser Stadt, durch welche am 4. November bereitsfünfzehnhundert Schweden unter dem Grafen Mörner von Lauen-burg her geflohen waren, kam er am Abend des folgenden Tagesan. Schon am nächsten Morgen erstürmten die Franzosen ein Thorder Stadt, und drangen, da Blücher's Befehle nicht pünktlich be-folgt wurden, in dieselbe ein. Es kam in den Straßen selbst zueinem förmlichen Treffen. Blücher sah sich zuletzt genöthigt, derÜbermacht zu weichen. Er zog sich in der Richtung nach Eutin hinzurück, mußte aber, da er weder den nöthigen Bedarf an Lebens-mitteln und Munition besaß, noch das neutrale dänische Gebiet be-treten durfte, schon am 7. November eine Capitulation abschließen,welche ihn und die neuntausendfünfhundert Mann, die er nochübrig hatte, zu Kriegsgefangenen machte. Auch die fünfzehnhundertSchweden des Grafen Mörner mußten bis auf vierhundert Mann,die sich durchschlugen, das Gewehr strecken.
In Lübeck hatten unterdessen die über den Widerstand derPreußen erbitterten Feinde alle die Gräuelthaten verübt, denen eineerstürmte Stadt preisgegeben zu sein Pflegt. Fünftausend Leichenlagen in den Straßen, und selbst als Blücher capitulirt hatte, nahmdas Morden und Rauben kein Ende. Blücher ist wegen seines mitso großen Opfern verbundenen Unternehmens heftig angeschuldigtworden, besonders von Massenbach; er ward aber nicht nur voneinem Kriegsgericht, welches auf sein Verlangen eingesetzt wurde,von aller Schuld freigesprochen, sondern er rechtfertigte sich auch vorder Welt in einer besonderen Schrift auf eine solche Weise, daßjeder vaterlandsliebende Deutsche sich freute, unter den Generalenseiner Nation doch wenigstens noch Einen Patrioten zu sehen. Dieübrigen preußischen Generale wetteiferten mit einem Hohenlohe,Kleist, Jngersleben und Romberg. Am 19. November capitulirtez. B. von Schöler in Hameln, am 25. von Strachwitz in Nien-burg, an demselben Tage von Uttenhofen in der Plassenburg beiKulmbach ohne die geringste Gegenwehr. Diese Männer wurdenselbst von den Franzosen tief verachtet, weil sie, was auch in Magde-burg geschehen war, sich im Voraus Gnadengehalte von den künf-tigen Herren ihrer Festungen ausbedingen wollten. Schöler hatte