Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

sich bis zum 16. Februar, sowie Neisse, Koscl, Glatz und Silberbergbis in den Sommer hinein hielten, so war doch das offene Landvon Schlesien in der Gewalt der Franzosen, und General Van-damme, eine der gemeinsten Creaturen der Schreckenszeit, konntedort die ärgsten Erpressungen verüben. In West-Preußen wardDanzig vom Grafen Kalkreuth zwei Monate lang tapfer gegenLefebvre vertheidigt; Mangel an Munition nöthigte ihn aber am26. Mai zur Capitulation. Dagegen behauptete sich Graudenz, inwelchem der wackere Courbiere commandirte, bis zum Abschlüssedes Friedens. Dasselbe war der. Fall mit der pommerischen FestungColberg, welche Gneisen au, unterstützt von den patriotischen Bür-gern der Stadt, vertheidigte.

Friedrich Wilhelm, welcher von Königsberg nach Memelgeflohen war, befand sich während des Winters 1806/1807 in einertraurigen Lage. Er war mit seiner Gemahlin ganz in der Gewaltder Russen, von denen ihr eigener Kaiser behauptete, daß er trotzseiner Allmacht nicht im Stande sei, ihre Rohheit und Raubsucht zuzügeln. In seinen Entschlüssen schwankte Friedrich Wilhelm wiefrüher hin und her. Hardenberg und seine Freunde trieben ihnan, einen entscheidenden Entschluß zu fassen; Zastrow und dieanderen Minister wollten diplomatisirt haben. Die Letzteren wareneiner Verbindung mit Frankreich oder richtiger der Unterwerfungunter Napoleon's Willen zugeneigt; sie würden daher schon EndeJanuar bewirkt haben, daß ein Separat-Frieden mit Frankreich ein-geleitet worden wäre, wenn nicht glücklicher Weise Hardenberg da-zwischen getreten wäre. Aus diesem Grunde zeigten sich auch dieEngländer, welche bisher nur eine schwache Geldunterstützung ge-leistet hatten, erst dann bereit, mehr zu thun, als Hardenberg wiederEinfluß erhielt. Am 26. Februar schrieb Napoleon an den Königeinen eigenhändigen Brief, welcher ganz auf den Charakter dessel-ben und seines Ministers Zastrow berechnet war. Dieser Briefenthielt im freundlichsten Tone allerlei scheinbar gut gemeinte Vor-schläge, hatte aber keinen anderen Zweck, als Preußen von Rußlandzu trennen. Man bewog zwar den König, die Anträge Napoleon'sabzulehnen; zu einem festen Entschlüsse kam derselbe jedoch immernoch nicht. Er wechselte damals sogar oft von einem Tage zumanderen seine Meinung, je nachdem er die französisch gesinnten Mi-