Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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118 Geschichte der neueren Zeit.

gebrauchen zu lassen. Sie behaupteten sogar gleich nachher öffentlich,es sei in Tilsit beschlossen worden, die dänische Flotte für Frankreichin Besitz zu nehmen und den Dänen dafür die Hanse-Städte zugeben. Dies ist von den Franzosen und Russen stets abgeläugnetworden; auch wäre ein solches Project zu abenteuerlich gewesen, alsdaß die Engländer von demselben wenigstens vorerst etwas zu be-sorgen gehabt hätten. Allein es galt den Schutz und die Erweite-rung der englischen Macht, und in einem solchen Falle pflegt einenglisches Ministerium Alles für erlaubt zu halten.

Im englischen Ministerium hatten sich, als For gestorben war,die Whigs unter Grenville's Leitung noch eine Zeitlang behauptet;sie waren aber in der auswärtigen Politik nicht energisch genugaufgetreten, und hatten sich zuletzt über die Frage der Katholiken-Emancipation auch mit dem Könige entzweit. Sie hatten daher imMärz 1807 einem aus entschiedenen Franzosen-Feinden bestehendenTory-Ministerium Platz gemacht, welches dem Namen nach unterder Leitung des Herzogs von Portland stand, und zu dessenMitgliedern Canning, Lord Eldon, Spencer Perceval,Lord Mulgrave, Robert Dundas (Lord Melville), LordHawkesbury (Lord Liverpool) und Lord Castlereagh ge-hörten. Von welcher Art diese Männer waren, läßt sich aus einigenWenigen Angaben beurtheilen. Canning war von Pitt als der Ein-zige anerkannt worden, der ihn ersetzen könne, und erhielt damals alsMann von siebenunddreißig Jahren die Leitung der auswärtigen Ange-legenheiten nicht blos wegen seiner Talente, sondern auch wegen seinerantifranzösischen Gesinnung. Lord Eldon, welcher Kanzler ward,hat sich einerseits durch seine Orthodoxie berühmt gemacht, und istandererseits als Meister in juristischen Schikanen das Ideal der inSpitzfindigkeiten unübertrefflichen englischen Rechtsgelehrten geworden.Dundas, welcher die Leitung der indischen Angelegenheiten über-nahm, war kurz vorher wegen grober Unterschleife angeklagt, abervon seinen Standesgenossen im Oberhause freigesprochen worden,obgleich seine Betrügereien erwiesen worden waren. Castlereagh,welcher Staats-Secretair der Colonieen und des Krieges ward, ge-rietst 1809 wegen seiner schlechten Leitung dieser Ämter mit Canning^ in Zwist, duellirte sich deshalb mit ihm, und machte 1822 seinemLeben durch Selbstmord ein Ende.