Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

Als Napoleon im Jahre 1806 den Krieg mit Preußen und Ruß-land begann, verfuhren drei Paschas, Paswan Oglu in Widdin,Ali Pascha in Albanien und Djezzar Pascha in Syrien, alsunabhängige Beherrscher, von denen der Sultan nur dem bloßenNamen nach als Oberherr anerkannt wurde. Auch Egypten warnach dem Abzüge der Franzosen wieder unter die Herrschaft derMamlukken-Beys gekommen, welche ebenfalls nichts nach demSultan fragten. Nachher machte zwar Meh einet Ali, welcher1805 zum Pascha von Egypten ernannt wurde, des Sultans Hcrr-schenrechte gegen die Mamlukken geltend; später warf sich aberauch er zum unabhängigen Gebieter auf. In Arabien hatte umdieselbe Zeit die fanatische Secte der Wecchabiten, welche vonAbdul Wahab, einem beduinischen Stammhäuptlinge, gebildetworden war, die heiligen Städte besetzt, und bedrohte nicht nur ganzArabien, sondern auch die angrenzenden Provinzen mit Ketzerei undVerheerung. In Serbien widersetzte sich die slavische Bevölkerung,seitdem sie im Anfange unseres Jahrhunderts unter CzernyGeorg's Führung die Fahne der Empörung aufgesteckt hatte, ohneUnterbrechung der türkischen Herrschaft. In der Moldau und Wal-lachei, welche schon längst unter dem Schutze des russischen Kaisersstanden (s. Th. XVI., S. 456), waren auf Befehl desselben zweirussisch gesinnte Griechen, Ipsilanti und Morusi, zu Hospoda-ren ernannt worden, und diese sahen nicht den Sultan, sondern denrussischen Czaar als ihren Herrn an.

Mit Frankreich war schon 1802 die alte Freundschaft durch einenFriedensvertrag wiederhergestellt worden, und Napoleon hatte imJanuar 1803 den General Brüne als Gesandten nach Constanti-nopel geschickt. Dieser verstand jedoch nicht mit den Türken undihrem Hofe umzugehen, und erleichterte dadurch den Russen ihrBemühen, die Wiederherstellung des französischen Einflusses in Con-stantinopel zu hintertreiben. Später erwachte indessen bei den Türkenwieder der alte Argwohn gegen Rußland. Der Sultan Selim III.neigte sich daher aufs neue zu Frankreich, und schickte im Frühlingdes Jahres 1806 einen Gesandten nach Paris, um Napoleon alsKaiser zu beglückwünschen und zugleich eine enge Verbindung mitihm anzuknüpfen. Napoleon war damals schon entschlossen, Preu-ßen anzugreifen, und weil dies voraussichtlich auch einen Krieg mit