Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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156 Geschichte der neueren Zeit.

Versprechungen gemacht hatten, suchten den Sultan in eine Fallezu locken. Sie wollten zwar einen engen Bund mit ihm schließen,und versprachen sogar, ihm nicht nur die Donau-Fürstenthümer,sondern auch Bessarabien und die Krimm wiederzuverschaffen, for-derten aber dagegen, daß der Sultan die Unterhandlung mit denRussen ganz und gar den Franzosen überlasse, d. h. mit anderenWorten, daß er das Schicksal seines Reiches in die Hände Napo-leons lege. Die Türken waren jedoch gleich allen Asiaten zu sehrin den Künsten des Truges bewandert, als daß sie die ihnen gelegteSchlinge nicht gesehen hätten. Sie wiesen die von Napoleon ge-machte Bedingung zurück, und als später die geheimen Artikel desTilsiter Vertrages bekannt wurden, zeigte es sich, wie klug sie ge-handelt hatten. Nachdem der Frieden von Tilsit geschlossen wordenwar, schickte Napoleon den General Guilleminot in die Türkei.Dieser sollte den öffentlichen Artikeln des Tilsiter Vertrages gemäßeinen Waffenstillstand und den Abzug der Russen aus der Moldauund Wallachei bewirken; er hatte aber daneben geheime Jnstructio-nen, nach welchen er den französischen Einfluß zu Gunsten derRussen gebrauchen sollte. Es war daher auch nur ein diplomatischesGaukelspiel, als Guilleminot am 24. August 1807 zu Slobosiaeinen Waffenstillstandsvertrag zwischen den Türken und Russen zuStande brachte, und bei dieser Gelegenheit den Letzteren das Ver-sprechen abnöthigte, die Donau - Fürstenthümer innerhalb siebenWochen zu räumen. Er wußte recht gut, daß der Czaar diesenVertrag nicht bestätigen werde.

Napoleon und Alexander hatten zu Tilsit insgeheim ausgemacht,der Türkei dasselbe Schicksal zu bereiten, welches früher Polen er-litten hatte. Dazu würde es auch gekommen sein, wenn Östreichden vielen leisen Aufforderungen, sich an den Bund der beiden Kaiseranzuschließen, Folge geleistet hätte. Die Vorbereitungen zu einerTheilung der Türkei wurden gleich nach dem Abschlüsse des TilsiterVertrages begonnen. Alexander übergab im August die festen PlätzeDalmatien's dem französischen Kaiser, trat demselben auch seinSchutzrecht über die Republik der ionischen Inseln ab, und ließ dietürkischen Donau-Provinzen, welche zu Rußland geschlagen werdensollten, durch seine Truppen besetzt halten, während Napoleon denFührer seines Heeres in Dalmatien, Marmont, beauftragte, einen