Deutschland und Napoleon 1807 und 1808. 165
Landes. Außerdem wurden aber auch noch systematische Erpressungen,wie man sie in Preußen geübt hatte, über das neue Königreich verhängt.Sogar der Peiniger des letzteren Landes, Darü (s. S. 141), wurdenach Westphalen geschickt, wo er dann die rückständigen Kriegssteuernbis auf den letzten Pfennig eintrieb. Zum Beherrscher des neuenKönigreiches hatte Napoleon seinen jüngsten Bruder, Hieronymus,ernannt, welcher noch vor seinem Regierungs - Antritte mit einerEnkelin des beraubten Herzogs von Braunschweig, Katharina vonWürtemberg, vermählt wurde. Dieser damals erst 23 Jahre alteKönig war ausschweifend, vergnügungssüchtig, verschwenderisch undkindisch; aber er besaß doch dabei Großmuth, Gerechtigkeitssinn undMilde, bemühte sich ernstlich, das Regieren zu erlernen, suchte Alles,was öffentlichen Anstoß gab, zu vermeiden, und gestattete keiner seinervielen Mätressen Einfluß auf die Regierung. Selbst seine gutenEigenschaften konnten indessen dem Lande nicht nützlich werden, weiler das Interesse seiner Unterthanen der Rücksicht auf die ZweckeNapoleon's und auf den Vortheil Frankreich's nachsetzen mußte.Nicht einmal die Sprache des Landes verstand der König. Dasselbewar der Fall bei seinen französischen Ministern. Es mußten daherauch alle Berichte und Vortrüge an ihn, sowie die gegenseitigenMittheilungen der höchsten Beamten in französischer Sprache abge-faßt werden, und die Verordnungen wurden französisch mit beige-setzter deutscher Übersetzung bekannt gemacht.
Baiern, Baden, Würtemberg und die anderen französi-schen Vasallen-Staaten in Deutschland hatten von der Fremdherr-schaft dieselben Vortheile und Nachtheile, wie das Königreich West-phalen. Auch sie wurden von den verbrieften Rechten und Lastendes Mittelalters befreit; sie mußten aber dafür ihre Kräfte demfranzösischen Kaiser zu Gebote stellen, und die Fortdauer des besserenZustandes, den die eingeführten neuen Principien ihnen gebrachthatten, war an den persönlichen Charakter ihrer Regenten geknüpft.Außerdem waren sie jeden Augenblick der Laune eines Herrscherspreisgegeben, welcher durch einen ewigen Wechsel der Plane undEinrichtungen die Völker zur Verzweiflung brachte. Napoleon ließsich durch keine Rücksicht, kein gegebenes Versprechen abhalten, zuthun, was ihm Vortheilhaft und nöthig schien. Er hatte im Jahre1807 wiederholt die Versicherung ausgesprochen, daß er keinen Fuß-