161 Geschichte der neueren Zeit.
eine Anzahl Franzosen mit den einträglichsten Gütern desselben. Dadiese Güter von allen Abgaben befreit blieben, so wurde dadurchzugleich eine härtere Besteuerung der übrigen Grundstücke herbeige-führt. Ebenso, wie mit dem Herzogthum Warschau, verhielt es sichmit der Republik Danzig. Sie hatte ein ganzes französischesHeer zur Besatzung, und Rapp, der Befehlshaber desselben, ver-fuhr wie ein unumschränkter Gebieter. Er trieb z. B. nicht nuralle rückständigen Contributionen ein, sondern erhob auch noch dazuein gezwungenes Anlehen von dritthalb Millionen Franken.
Das Königreich Westphalen enthielt bis zum Jahre 1810,wo auch noch der Rest von Hannover mit ihm vereinigt wurde,zwei Millionen Einwohner. Diese wurden durch die französischeHerrschaft endlich von den Übeln der Feudalität, der Büreaukratieund der Hierarchie befreit; sie waren aber zu sehr an Beamten-willkür und an die Abhängigkeit von gewissen Familien gewöhnt,um sich des Fortschrittes zum Besseren erfreuen zu können, zumalda mit diesem Fortschritte noch längere Zeit hindurch vielfache Leidenverbunden waren. Cambacöres und andere Pariser Constitutions-Fabrikanten arbeiteten für das neue Königreich eine Verfassung aus,und eine Anzahl von Deputirten wurde nach Paris beordert, umdort, wie man lügnerisch bekannt machte, als freiwillig gesandteVertreter des Volkes diese Verfassung in dessen Namen anzunehmen.Französische Beamte behandelten als Mitglieder der zur Einführungder Constitution eingesetzten Regentschaft, als Intendanten und alsStatthalter das Land so, wie türkische Paschaliks behandelt zu wer-den Pflegen. Franzosen waren es auch größtentheils, welche nachherdes neuen Königs Ober-Beamte bildeten. Auch der Thucpdides derSchweizer Aristokraten, Johannes von Müller, wurde aufMa-ret's Empfehlung als Staats-Secretär in das neue Königreich ge-schickt; er hatte aber weder Sinn noch Geschick für das Geschäfts-leben, und nahm daher bald wieder seine Entlassung. Außer denvielen Franzosen, welche als Beamte im Königreich Westphalen ver-sorgt wurden, mußte dieses auch noch ein halb aus Franzosen be-stehendes Heer von fünfundzwanzigtausend Mann besolden und klei-den. Von den Domänen behielt Napoleon die Hälfte für sich, ummit derselben die neuen Großen seines Reiches auszustatten. InFolge davon gingen jährlich dritthalb Millionen Franken außer