Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neuere» Zeit.

daß alle Häfen, von welchen die brittische Flagge ausgeschlossen sei,für blockirt gelten und alle dahin bestimmten Schiffe nicht blos vist-tirt, sondern auch zur Fahrt nach einem brittischen Hafen und zurZahlung einer Abgabe gezwungen werden sollten. Das Decret vonMailand erklärte jedes Schiff, das sich diesem Gebote unterwerfe,für denationalisirt und verordnete, daß solche Schiffe als englischesEigenthum und als gute Prise angesehen werden sollten.

In Bezug auf das Königreich Italien erließ der Kaiser eine An-zahl neuer Verordnungen, durch welche im Geiste der modernen Politikdas Zurückschrecken in Hinsicht auf ideale Güter und auf bürgerlicheFreiheit hinter ein wirkliches oder scheinbares Fortschreiten der ma-teriellen Interessen versteckt wurde. Außerdem machte er auch imKönigreich Italien willkürliche Änderungen, wie die Umstände oderdie Launen des Augenblicks sie hervorriefen. Er hatte z. B. 1805feierlich versprochen, daß die Krone Italiens von der französischenkünftig wieder getrennt werden solle (s. S. 80). Dessenungeachtetwurde schon zu Ende des Jahres 1807 gerade das Gegentheil ver-ordnet. Er ernannte nämlich seinen Adoptiv-Sohn Eugen Bea ri-tz ar na is zum Erben der italiänischen Krone, vorausgesetzt dH erselbst nicht noch einen Sotzn ertzalte. Damit war also ausgespro-chen, daß Italien niemals von Frankreich getrennt werden solle.Melzi, dessen sich Napoleon früher zu seinen Zwecken bedient hatte,wurde jetzt gleich anderen Creaturen in den Hintergrund geschoben.Zur Entschädigung dafür erhielt er den Titel eines Herzogs vonLodi.

Mit Pabst Pius VII., der sich ebenfalls den Geboten Frank-reichs unbedingt unterwerfen sollte, hatte Napoleon einen sehrschweren Stand. Dieser hatte selbst früher den Papismus insLeben zurückgerufen und die weltliche Herrschaft des Pabstes wiederhergestellt. Jetzt wollte er dagegen den Pabst nicht nur in weltlichenDingen als seinen Vasallen behandeln, sondern auch in geistlichenAngelegenheiten zum Gehorsam gegen seine Gebote zwingen. DerPabst gebrauchte aber dieselbe Gewalt der Meinung, um derentwillenNapoleon ihn früher zu gewinnen gesucht hatte. Dies verwickelteden Kaiser in einen heftigen Streit mit dem Pabste, und bereiteteihm große Verlegenheiten. Napoleon konnte nämlich, wenn er nichtalle Vortheile der abgeschlossenen Concordate verlieren wollte, des