Deutschland. Aufstandsversuche gegen Napoleon 1809. 218
Herzogs Wilhelm unterrichtet worden war. Es gelang ihm anfangs,die schwarze Legion zurückzudrängen. Jetzt rückte aber zur Unter-stützung derselben der östreichische General Am-Ende mit einemCorps, welches auf zehntausend Mann angegeben wird, in Sachsenein, und das kleine sächsische Heer mußte zurückweichen. Am 11. Juniward Dresden, am 22. sogar Leipzig besetzt. Man suchte hieraufdas Volk zur Theilnahme am Befreiungskriege zu treiben. Esmeldeten sich auch mehrere hundert Freiwillige, und der östreichischeFcldmarschall Kienmayer ward beauftragt, das sich bildendeVolksheer zu organisiren. Allein theils der östreichische Schlendrian,theils das gewaltthätige Benehmen der Legion, welches beim Volkekeine große Sympathie erweckte, verdarben Alles. Gleich darauferschienen westphälische und holländische Truppen unter Gratienund dem König Hieronymus, und diese drängten in Verbindungmit dem sächsischen Heere die Feinde nach Böhmen zurück. ImJuli wurden zwar Hieronymus und Gratien durch den Einbrucheines östreichischen Corps in Franken genöthigt, sich aus Sachsenzurückzuziehen, und General Am-Ende drang aufs neue bis nachDresden vor; aber unmittelbar darauf schloß das östreichische Kabi-net in Folge der Schlacht bei Wagram einen Waffenstillstand, ver-möge dessen die der schwarzen Legion gewährte Unterstützung zurück-gezogen werden mußte.
Des Herzogs Wilhelm wollte sich Östreich bei den Friedens-Unterhandlungen nur unter der Bedingung annehmen, daß er demAnsprüche an sein ererbtes Fürstenthum entsage, obgleich Östreichihn bisher als souverainen Herzog von Braunschweig anerkannthatte. Dieser Bedingung sich zu unterwerfen, verschmähte Wilhelm.Er faßte vielmehr den kühnen Entschluß, sich an die untere Weserdurchzuschlagen, um von da nach England überzusetzen. GegenEnde Juli brach er mit zwölfhundert Mann zu Fuß, siebenhundertReitern und sechs Kanonen aus Sachsen auf. Er selbst führte dieReiterei, zwei ehemalige braunschweigische Officiere von Talent,Bernewitz und Korfes, die Infanterie und Artillerie. DieSchaar hatte sich kaum in Marsch gesetzt, als holländische und west-phälische Truppen unter Gratien und Reubel ihr von Bremen undErfurt her den Weg zu verlegen suchten, und ein westphälischesRegiment sich bei Halberstadt aufstellte, um sie von Braunschweig