Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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258 Geschichte der neueren Zeit.

Holland an sich, und wenn er auch einen Ersatz dafür gewährte, sowar doch damals zugleich von einem Ländertausche'die Rede, welcherfür Holland dieselbe Bedeutung gehabt haben würde, wie die Ver-wandlung spanischer Provinzen in französische Departements fürSpanien (s. S. 239). Gleich nachher fing Napoleon an, dasKönigreich Holland geradezu wie eine französische Provinz zu behan-deln, und die nöthigen Vorbereitungen zu treffen, um dasselbe demfranzösischen Reiche einzuverleiben. Er machte seinem Bruder immerhärtere Vorwürfe über seinen holländischen Patriotismus, sowie überdie Begünstigung des englischen Handels, und schon im März 1809deutete er seine eigentliche Absicht dadurch an, daß er das erledigtgewordene Großherzogthum Berg dem ältesten Sohne des Königsvon Holland schenkte.

Als Louis im December 1809 sich bei dem in Paris gehaltenenFamilienrathe einfand, wurde er von Napoleon, der ihn als Bruderherzlich liebte, zwar freundlich empfangen; die Einverleibung Hol-land's war aber damals bereits eine beschlossene Sache, und Napo-leon kündigte dieselbe am 15. December in einer Sitzung des ge-setzgebenden Körpers, sowie gleich darauf in einer schriftlichen Er-klärung, welche Louis von ihm verlangt hatte, unumwunden an.Er würde seinen Entschluß auch sogleich in Ausführung gebrachthaben, wenn er nicht einen besonderen Grund zur Verzögerung ge-habt hätte. Er hoffte nämlich noch immer, sich mit den Engländernverständigen zu können, und wollte diesen deshalb Zeit lassen, Hol-land's Selbstständigkeit durch Friedensanträge zu retten. Doch be-fahl er dem Marschall Oudinot, einstweilen mit der Besetzungvon Holland den Anfang zu machen. Seinen Bruder aber ließ ernicht nur, damit derselbe nicht nach Holland zurückkehren könne,durch Polizei-Agenten scharf bewachen, sondern er zwang ihn auch,von Paris aus den zum Widerstände geneigten holländischen Kriegs-Minister zu verabschieden und den von ihm neu geschaffenen Adelwieder aufzuheben. Auch mußte Louis eine Unterhandlung mit Eng-land anknüpfen, und zwar, damit die Sache nicht von ihm und demKaiser auszugehen scheine, durch einen Amsterdamer Bankier. Dasenglische Ministerium zeigte sich der Holländer und des Handelswegen wirklich geneigt, auf Unterhandlungen einzugehen; Fouchömischte sich aber ohne Auftrag des Kaisers in die Sache ein,'und