Rußland und Frankreich vor dem Kriege von 1812. 288
preußische Oberst Knesebeck, welcher im Februar 1812 von Fried-rich Wilhelm nach Petersburg gesandt worden war, hatte nach seinerRückkehr einen Bericht abgestattet, und der König hatte denselbendem französischen Kaiser mitgetheilt. In diesem Berichte waren alleSchwierigkeiten eines Zuges nach Rußland und der einzig möglicheKriegsplan der Russen, welcher auch nachher befolgt wurde, ganzgenau dargelegt, und doch ließ sich Napoleon nicht warnen. „DieBodenbeschaffenheit des Landes, heißt es unter Andern in dem Be-richte, wird den Franzosen große Schwierigkeiten bereiten. Sümpfe,ungeheuere Wälder, die geringe Zahl bewohnter Orte, der Mangelan guten Landstraßen, das Nichtvorhandensein eines großen Flusses,an welchen sich die Operationen anlehnen könnten, der spärliche An-bau des Landes, alles dies wird nicht nur die Bewegungen derTruppen erschweren, sondern auch zum Behufe ihrer Ernährung dieAuflösung des Heeres in einzelne Corps und die Trennung derselbenvon einander unumgänglich nöthig machen. Die nämlichen Umständeund Verhältnisse aber, welche dem angreifenden Theile Hindernissebereiten, werden den Russen für die Vertheidigung ebenso viele undgroße Vortheile gewähren. Die Letzteren brauchen nämlich, um dieFranzosen zur Verzweiflung zu bringen, nur sich Schritt vor Schrittvertheidigend an Punkte, die sie im Voraus mit Sorgfalt ausgewählthaben, zurückzuziehen und dabei Alles, was sie hinter sich lassen, zuverwüsten."
Schlosser'« Weltgesch. f.L.d. V.XVIU.
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