Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Frankreich. Der Rückzug aus Rußland.

russischen Artillerie oder den Piken der Kosaken. Zum Glück war derMorast, der sich jenseit der Beresina mehr als eine Meile weit aus-breitet, nicht nur zugefroren, sondern Tschitschakow hatte auch ver-säumt, die über ihn führenden Brücken abzubrennen. Die Franzosenkonnten also ungehindert weiter ziehen, und da sie die Brücken hintersich verbrannten, so erhielten sie sogar einen Vorsprung vor denRussen. Sie bestanden übrigens damals, sogar mit Hinzuzählungvon Victor's und Oudinot's Truppen, nur noch aus achttausend-vierhundert Streitfähigen. Aus Polen und von Wilna her warenihnen zwar Truppen zu Hülfe geschickt worden; diese hatten aberunterwegs ebenfalls durch die Kälte unsäglich gelitten, und als sie zuden Trümmern der großen Armee gelangten, wurden auch sie vonder herrschenden Auflösung aller Ordnung wie von einer Pestangesteckt.

Ungeachtet des beispiellosen Unglückes, welches die französischeArmee auf dem Rückzüge aus Moskau zu erleiden gehabt hatte,verkündeten doch Napoleon's Bülletins und die Mittheilungen, welchesein Minister Maret in Wilna den fremden Gesandten machte,nichts als Siege. Der servile Maret schickte diese lügenhaften Be-richte sogar dem Anführer des linken Flügels, Macdonald, zu,der doch gewiß zur rechten Zeit Kenntniß von dem Unglück hätteerhalten sollen. Erst in Molodeczno, fast auf dem halben Wege vonBorissow nach Wilna, entschloß sich Napoleon, den wirklichen Standder Dinge bekannt zu machen. Dort dictirte er am 3. Decemberdas merkwürdige neunundzwanzigste Bülletin, in welchem erden Zustand seiner Armee mit furchtbarer Wahrheit schilderte, vonallem dem aber, was bis Smolensk Schreckliches vorgefallen war,kein Wort sagte, und das ganze Unglück der Kälte zuschrieb, obgleichdiese ihren äußersten Grad (sechsundzwanzig bis siebenundzwanzig Grad)erst an demselben 3. December erlangte. Die Anordnungen, welcheer in Molodeczno zur schnellen Bildung einer neuen Armee inPolen traf, waren an sich vortrefflich; sie konnten aber nicht ausge-führt werden, weil sie ohne Rücksicht auf die obwaltenden Umständegemacht worden waren.

In Smorgonp, einen Tagmarsch weiter nach Wilna zu, verließNapoleon die Trümmer seines Heeres, und reiste, blos von Cau-laincourt, Düroc und Mouton begleitet, über Wilna, Warschau und