Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
339
JPEG-Download
 

Deutschland. Schicksal Hamburg's 1813. 338

leon gleich anfangs erkannt und ausgesprochen haben soll, für dieVerbündeten Vortheilhaft, für die Franzosen aber, wenn er nicht einenFrieden herbeiführte, nachteilig. Beide Theile mußten sich nämlichhinter eine bestimmte Linie in Schlesien zurückziehen, und der zwischenihnen liegende Raum durfte während der Dauer der Waffenruhevon Beiden nicht betreten werden; diese Linie war aber so gezogen,daß die Franzosen in Gegenden verweilen mußten, welche durch denKrieg ausgesogen worden waren, während der von den Alliirten zubesetzende Theil Schlesien's noch nicht gelitten hatte. Außerdem hatteschon der Rückzug nach Schlesien die Alliirten ihren Hülfsmitteln ge-nähert, den französischen Kaiser aber von den seinigen entfernt.

Die Stadt Hamburg konnte durch den Abschluß des Waffen-stillstandes nicht gegen die Rache der Franzosen geschützt werden, dasie wenige Tage vorher in die Hände derselben gefallen war. Ihrtrauriges Schicksal war durch die von Dänemark eingeschlagene Po-litik entschieden worden. Dieser Staat hatte, als er sich 1807 anFrankreich anschloß (s. S. 269), die Bürgschaft erhalten, daß ihmkein Stück seines Gebietes entrissen werden solle. Bernadotte hattesich deshalb auch seit 1811 vergebens bemüht, mit französischer Hülfeden Besitz von Norwegen zu erlangen. Als nachher Rußland undEngland den Schweden Norwegen zusicherten, war Napoleon nichtim Stande, die Dänen zu schützen; er erlaubte deshalb im Frühjahr1812 dem König Friedrich VI., zur Rettung Norwegen's mit denEngländern und Russen zu unterhandeln. Diese machten dem däni-schen Könige vergebens Anerbietungen, um ihn zur Abtretung Nor-wegen's zu bewegen. Endlich kam der russische Fürst Dolgorucki,den man nach Kopenhagen geschickt hatte, auf den Gedanken, dasvon den Franzosen bedrohte Hamburg dadurch zu retten, daß er dendänischen König zu einer Allianz mit Preußen und Rußland auf-forderte, und ihm dafür den bleibenden Besitz von Norwegen inAussicht stellte. Dieser Vorschlag wurde angenommen, und KönigFriedrich ließ hierauf nicht nur in Petersburg und London Unter-handlungen anknüpfen, sondern er schickte auch im Mai der StadtHamburg, in der sich Tettenborn mit seiner kleinen Schaar nichtmehr lange behaupten konnte, einige tausend Mann zu Hülfe. Unmittel-bar nachher trat jedoch in der Politik Dänemark's ein neuer Um-schlag ein. Die Engländer glaubten nämlich, daß Dänemark jetzt