384 Geschichte der neueren Zeit-
selbst herbeieilen, und es entspann sich am 18. Februar bei Mon-tereau ein furchtbarer Kampf, bei welchem der Kaiser selbst dieKanonen richtete. Es gelang ihm zuletzt, mit Aufopferung vielerLeute, Montereau zu erstürmen; seinen eigentlichen Zweck konnte- eraber nicht erreichen, weil Bianchi durch den Kampf bei Montereaudie nöthige Zeit erhalten hatte, um seinen Rückzug nach Sens aus-zuführen. Dagegen mußte aber Schwarzenberg nicht nur nachTroyes zurückweichen, sondern er verlegte auch gleich darauf seinHaupt-Quartier sogar bis nach Langres zurück. Schwarzenbergfürchtete nämlich, Marschall Augereau, welcher in Lyon stand undkurz vorher aus Spanien Verstärkungen erhalten hatte, werde dieVerbindung der Alliirten mit der Schweiz abschneiden.
Fast zu derselben Zeit, als der Krieg eine für Napoleon günstigeWendung nahm, war ein Friedens-Kongreß eröffnet worden. Napo-leon hatte seit dem December mehrmals Unterhandlungen anzu-knüpfen gesucht; erst am 20. Januar aber hatte sein Minister desAuswärtigen, Caulaincourt, endlich die Anzeige erhalten, daß dieAlliirten bereit seien, in dem burgundischen Städtchen Chatillonan der Seine einen Kongreß zu halten. Als dies geschah, war eineArt von Spaltung zwischen den vier alliirten Mächten eingetreten.Alexander und Friedrich Wilhelm wünschten nämlich, jener das Her-zogthum Warschau, dieser das Königreich Sachsen ihren Reicheneinzuverleiben, und hatten, "da England und Östreich dies zu verhin-dern suchten, am 6. Januar zu Basel eine besondere Übereinkunftgeschlossen. Außerdem hatten Alexander und seine Rathgeber in Be-treff der Kriegs-Operationen ganz andere Ansichten, als der FürstSchwarzenberg, welcher bis zum Ende des Krieges auf eine sehrbedenkliche Weise den Zauderer machte. Die Umstände waren alsobei der Eröffnung des Kongresses dem französischen Kaiser günstig;er beraubte sich aber durch die Täuschung, in der er befangen war,der Möglichkeit, auf eine erträgliche Weise aus dem Spiele zukommen.
Die zum Kongresse von Chatillon zusammengekommenen Bevoll-mächtigtenwaren: Caulaincourt für Frankreich, Graf Stadionfür Östreich, Wilhelm von Humboldt für Preußen, Rasu-mowsky fürRußland, Aberdeen, Cathcart und Stewart fürEngland. Neben den drei Letzteren erschien auch noch Lord