Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Frankreich. Kongreß zn Chatillon. 385

Castlereagh als Repräsentant des englischen Ministeriums. DieAlliirten hatten also ihre Wahlen so getroffen, daß es fast schien,als wenn man den französischen Kaiser absichtlich habe kränken wollen.Stadion war ja schon seit 1808 ein Gegenstand des Hasses undÄrgers für diesen ss. 'S. 201 u. 207); Rasumowskp hatte sieben Jahrelang die Conspirationen des europäischen Adels gegen das neueFrankreich geleitet ss. S. 201); Lord Castlereagh dachte schon da-mals und sprach nachher öffentlich im Parlament aus, daß in Frank-reich die Emigranten und die Bourbons wieder eingesetzt werden müß-ten ; Humboldt endlich galt wenigstens für ein Mitglied jenes Tugend-bundes, der dem französischen Kaiser von seinen Spionen immer alssehr gefährlich dargestellt worden war. Übrigens hatte Metternichaußer dem Grafen Stadion noch einen anderen Mann nach Cha-tillon geschickt, der sein persönliches Interesse wahren sollte; dennStadion hatte, obgleich Metternich ihn sein zweites Ich nannte, einanderes Interesse. Dieser Geschäftsträger Metternich's war derHerr von Floret. Auch Talleyrand hatte zu Chatillon dieHand mit im Spiele, obgleich sein Kaiser, dem er schon längstverdächtig war, ihm durchaus nichts anvertraute. Napoleon hattenämlich seinem Bevollmächtigten den Director des Departements derauswärtigen Angelegenheiten, La Besnardiöre, einen Mann ausTalleprand's Schule, beigegeben, und mit diesem unterhielt Tallep-rand einen geheimen Verkehr. Für den Ausgang des Kongresseswar es bezeichnend, daß Napoleon's alter Feind, der Graf Pozzodi Borgo (s. S. 201), gewählt ward, um bei den Conferenzendie Feder zu führen.

Am 5. Februar wurde der Kongreß eröffnet. Die Verbündetenwaren im Voraus übereingekommen, im Namen von ganz Europazu unterhandeln und dem französischen Kaiser ganz andere Bedin-gungen zu stellen, als die in Frankfurt angebotenen gewesen waren.Frankreich sollte auf die Grenzen von 1792 beschränkt werden, undbei den neuen Einrichtungen, die man in Europa machen wollte,keine Stimme haben. Auch sollten, im Fall der Kongreß erfolglosbliebe, die vorgeschlagenen Bedingungen zur Kenntniß des franzö-sischen Volkes gebracht werden. Diese Bedingungen waren um sohärter, da man in Betreff der neuen Gestaltung Europa's beschlossenhatte, den Engländern dieselbe Herrschaft zur See zuzugestehen, dieSchloffer's Weltgcsch. f. d- d. V. xvm. rs