Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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404 Geschichte der neueren Zeit.

den die Kaiserin an ihren Vater geschickt hatte, mit der Antwortabgewiesen worden war, Kaiser Franz sei mit Allem einverstanden,was seine Mitverbündeten beschlössen! Dessenungeachtet kostete eseinen Kampf von mehreren Tagen, bis endlich Ney, Oudinotund andere Marschälle durch unablässiges Quälen den Kaiser dazubrachten, daß er eine unbedingte Entsagungs-Acte unterzeichnete. Diemeisten seiner Großen und Diener hatten ihm damals bereits denGehorsam aufgekündigt. Der Moniteur war seit dem 3. Apriltagtäglich mit Namen von Abtrünnigen angefüllt. Ja, sogarNapoleon's Gemahlin, welche am 8. April von Blois abreiste und,ohne ihn noch einmal gesehen zu haben, am Ende des Monats nachWien zurückkehrte, vergaß ihn bald und warf sich in die Arme einesanderen Mannes. Daß alle bisherigen Anhänger Napoleon's mitwenigen ehrenvollen Ausnahmen ihren Herrn und Wohlthäter ver-ließen und sich der neuen Regierung zu empfehlen eilten, wird mansich aus dem Wesen gemeiner Menschennaturen um so leichter er-klären können, da Napoleon selbst die Menschen stets nur als Mittelzu persönlichen Zwecken angesehen hatte, und deshalb auch von ihnendas gleiche Verfahren erwarten mußte.

Als Napoleon die Entsagungs-Acte unterzeichnet hatte, reistenNey, Macdonald und Caulaincourt nach Paris zurück, um mit denAlliirten einen Vertrag über die Vortheile abzuschließen, welche demabgesetzten Kaiser und seiner Familie zugestanden werden sollten.Sie waren kaum abgereist, als Napoleon den gethanen Schritt be-reute und ihnen Gourgaud nachsandte, um die Urkunde zurückzu-fordern; man antwortete diesem aber, es sei zu spät. Am 11. Aprilkehrten die genannten drei Abgeordneten mit dem an diesem Tagevon ihnen, von Metternich, Nesselrode und Humboldt unterzeichnetenVertrage zurück, den man mit den Namen des Vertrages vonFontainebleau bezeichnet. Napoleon unterschrieb denselben zu-gleich mit einer nochmaligen Entsagungs-Acte, welche in zwei Wortenvon der ersten abwich, und am 12. April im Moniteur bekanntgemacht wurde. Welchen furchtbaren inneren Kampf der größteMann des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts während desganzen Monats April zu kämpfen hatte, geht daraus hervor, daßer in der Nacht auf den 13. April Gift nahm; dieses versagte jedochseine Wirkung.