Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

Der Wiener Kongreß wurde nicht, wie man ausgemachthatte, Ende Juli, sondern erst am 1. November eröffnet. Auch dannnoch verschwendete man viele Zeit für Schmäuse, Feste und Lustbar-keiten, welche Millionen kosteten und von der vornehmen Welt hochbewundert, von frivolen und flachen Schriftstellern mit glänzendenWorten ausführlich beschrieben wurden, in der ernsten Geschicht-schreibung aber höchstens nur Stoff zu satyrischen Bemerkungendarbieten könnten. In Wien waren während des Kongresses nichtblos viele Fürsten, sondern auch eine große Zahl von Grafen, Ba-ronen, Diplomaten, Ministern und vornehmen Damen versammelt.Von den Beherrschern der fünf Hauptstaaten waren Alexander I.von Rußland, Franz!, von Östreich und Friedrich Wilhelm III.von Preußen persönlich anwesend. Den Ersteren hatten Nessel-rode und Rasumowsky, den König von Preußen Hardenbergund Wilhelm von Humboldt begleitet. Von östreichischer Seitewaltete Metternich als Unterhändler und Gentz als Protokoll-Führer der Versammlung. England und Frankreich waren, dasEine durch Castlereagh und Wellington, das Andere durchTalleyrand vertreten. Der Letztere hatte aber noch einige Gehülfenmitgebracht, nämlich den Herrn La Besnardiöre für die allge-meinen Angelegenheiten, den Herzog von Dalberg, welcher ur-sprünglich dem deutschen Reichsadel angehörte, für deutsche Geschäfteund Kabalen, den frommen Aleris Noailles für die Bearbeitungdes russischen Kaisers und der einflußreichen Damen, Latour duPin für Schweizer und andere Angelegenheiten. Die Namen derVertreter der kleineren Staaten zu nennen, können wir füglich unter-lassen. Dagegen ist zu bemerken, daß auch der berühmteste galanteSchwätzer und Witzling aller monarchischen und aristokratischen Kreisein Wien anwesend war, und trotz seines hohen Alters seine Fertig-keit im Anordnen prunkender Festlichkeiten, im Drechseln galanterReden und im Auffinden von pikanten Wortspielen auf glänzendeWeise darlegte. Dieser Stern erster Größe unter den HöflingenEuropa's war der belgische Fürst von Ligne.

Östreich, Rußland und Preußen hatten aus Furcht vor Talley-rand und vor den Jntriguanten, die er commandirte, Ende Sep-tember förmlich beschlossen, den ersten geheimen Artikel des PariserFriedensvertrages (s. S. 419) aufrecht zu erhalten, also die Fran-