Frankreich. Der Krieg von 1815. D7
theidigungstruppen in den Gegenden von Bordeaux und Toulouseaufgestellt.
Am 12. Juni reiste Napoleon von Paris nach Belgien ab, umsich mit seiner Hauptmacht zuerst auf die Preußen zu werfen, welcheder getroffenen Abrede gemäß ebenso, wie die von Wellington befeh-ligten Niederländer und Engländer, so lange vertheidigungsweiseverfahren sollten, bis sowohl die Östreicher, als die Russen am Rheineingetroffen wären. Am 15. Juni setzte er über die Sambre, drängtedie Preußen zurück, und nahm Charleroi, machte aber keine Gefangeneund verlor viele Leute. Wie sehr ihm alle Umstände ungünstigwaren, konnte er daraus erkennen, daß am Tage vorher der Gene-ral Bourmont mit einigen Ober-Officieren zum Feinde über-gegangen war. Am 16. Juni wagte Blücher, obgleich einerseiner Heerestheile, welcher unter Bülow in Lüttich lag, noch nichteingetroffen war, der Hauptmacht Napoleon's in der Gegend vonLigny und St. Amand ein Treffen anzubieten. Er rechnete da-bei auf die zugesagte englische Hülfeleistung; allein Wellington,welcher die Nacht vorher sorglos auf einem Ball in Brüssel zu-brachte, erschien nicht. Die Preußen mußten daher vor der Über-macht zurückweichen, wobei Blücher selbst beinahe gefangen wordenwäre. Sie waren jedoch nicht eigentlich geschlagen, und die Fran-zosen hatten ihren Sieg theuer bezahlen müssen; denn es waren aufihrer Seite ebenso viele Leute gefallen, als bei den Preußen (fünf-zehntausend Mann). Auch konnten sie vom Siege keinen Nutzenziehen, weil sie theils durch die einbrechende Nacht daran gehindertwurden, theils Blücher selbst nochlftark genug war, um ihnen Wider-stand zu leisten. Überdies hatte der von Ney commandirte linkeFlügel des französischen Heeres ohne Erfolg gekämpft. Nep warnämlich mit vierzigtausend Mann entweder, wie Napoleon selbst be-hauptet, zur Besetzung von Quatrebras oder, wie Andere sagen,gegen Brüssel abgeschickt worden, und in der Nähe jenes Dorfesauf Wellington gestoßen, welcher vom Ball aus herbeigeeilt war.In dem Kampfe, der sich dort entspann, verloren zwar die Eng-länder und Niederländer anfangs viele Leute, unter denen sich aucheiner ihrer Führer, der Herzog von Braunschweig-Öls, be-fand; sie behaupteten aber ihre Stellung, und Ney mußte zurück-weichen.