Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Deutsche Literatur um das Ende d. 18ten Jahrhunderts.

daß man bei dem Einen wie bei dem Anderen kaum wagen darf,selbst seine Mangel anzutasten. Wir meinen den politischen Götzender.Franzosen, Bonaparte, und den literarischen Götzen der Deut-schen, Göthe.

Der angedeutete letzte Abschnitt der literarischen RevolutionDeutschlands beginnt etwa mit dem Jahre 1787. Seinen Schlußkann man in das Jahr 1815 setzen, weil unmittelbar nachher die-selben Dichter und Kritiker, welche ihre Nation gewaltsam zumletzten nothwendigen Schritte getrieben hatten, ebenso, wie um 1800die früheren Demokraten und nachherigen Bonapartisten Frankreich's,einen revolutionären Weg einschlugen. Im Jahre 1787 war derGeist des deutschen Publikums noch immer so flach und beschränkt,sein Geschmack noch immer so verkehrt, daß Schiller und Göthe,welche jetzt unbestritten als die Heroen der deutschen Literatur an-erkannt werden, nicht eher als um das Jahr 1805 zu dem ihnengebührenden Ansehen gelangten. Ja, sogar diese späte Anerkennungberuhte bei beiden Männern nicht ursprünglich und unmittelbar aufihrem eigenen Charakter und Werth, sondern sie ward ihnen viel-mehr durch eine neu entstandene geistige Bewegung und Richtungzu Theil, die man dem deutschen Volke so zu sagen gewaltsam auf-drängte. Wir müssen daher,- ehe wir zu diesem neuen Fortschrittedes deutschen Lebens übergehen, einen Blick auf den unmittelbarvorher herrschenden Zustand desselben werfen.

Der Charakter des unter den Deutschen herrschenden Geistes läßtsich aufs deutlichste an den Büchern erkennen, welche um 1790 vor-zugsweise Beifall fanden, sowie an der Art, wie man sogar nocheinige Jahre später über Göthe und Schiller urtheilte. Selbst inWeimar, Mannheim und Berlin, also an den Orten, in denen diegeistige Regsamkeit am lebhaftesten war, herrschten die Jffland,Kotzebue, Jünger nicht allein auf der Bühne, sondern es wurdenauch ihre matten Romane ebenso, wie die eines Lafontaine und dieRitterromane, am meisten gelesen. Dagegen fiel man über Schillerher, als er seine ersten Dramen herausgab, welche, was auch anihnen auszusetzen sein mag, doch jedenfalls originell waren undeinen genialen Anstrich hatten. Ebenso machte man seinen lyrischenGedichten denselben inneren Gehalt zum Vorwurf, wegen dessen sienachher Lieblingsgedichte der Nation geworden sind; man tadelte