Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

mit ihnen verbunden, die deutsche Literatur aus dem Zustände derVerflachung und Beschränktheit herauszureißen. Es bedarf daherzunächst einer Andeutung über die bisherigen Schöpfungen Schiller'sund Göthe's.

Von den Werken, welche Göthe nach dem Götz von Ber-lichingen und dem Werther verfaßte, ist nicht nur sein Meisterstückder deutschen dramatischen Dichtkunst, die Jphigenie, sondern auchseine Stell«, seine Mitschuldigen und andere blos ihrer Form wegenausgezeichnete kleinere Dramen historisch dadurch besonders wichtig,daß sich in ihnen ein rascher und bedeutender Fortschritt im Lebender Nation zeigt. Dies würde auf überraschende Weise anschaulichgemacht werden können, wenn es hier möglich wäre, die Sprachejener Dramen mit dem Ton und Ausdruck der gleichzeitigen Dra-men eines Jffland, eines Jünger, eines Kotzebue zu vergleichen,welche schwerfällig in der Sprache, matt im Witze sind, und sichnirgends über den platten Conversations-Ton der kleinen Städteerheben. Göthe hat in seinen kleineren Dramen die deutsche Sprache,nachdem sie schon durch Lessing ernst, kräftig und edel gewordenwar, leicht wie einen Hauch gemacht, und in ihr jener Ton der Unter-haltung geschaffen, der bisher nur in Frankreich und Italien zufinden gewesen war. Schon der bedeutende Fortschritt also, welchendie deutsche Sprache und Literatur in den achtziger Jahren desvorigen Jahrhunderts durch Göthe machten, kann beweisen, wiewichtig es für die Nation war, daß die neue Pbilosophie einemsolchen Manne endlich das rechte Ansehen und damit eine nach-haltige Einwirkung auf den Geschmack verschaffte.

Zu derselben Zeit ward Schiller in seiner Auffassung mensch-licher Dinge für die deutsche Politik bedeutend, während es in Hin-sicht auf Sprache und auf die Kunst des Versbaues ewig zu bekla-gen ist, daß Schiller in seiner Jugend einen schlechteren Unterrichtgenossen hat, als Göthe, Lessing und Klopstock. Die ersten DramenSchiller's haben nämlich eine unmittelbare Beziehung zur politischenLage und zu den bestehenden Zuständen Deutschlands. Sie sprechenden Unwillen einer edeln Seele über die damals allgemeine Unter-drückung der Freiheit, über die Servilität und Willkür der Beamten,über die unerhörte Mishandlung des Bürgerstandes durch die Pri-vilegirten, über die an den Höfen herrschenden Sitten aus. Wir