Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neuere» Zeit.

Glücklicher war Schiller in dem Versuche, das Interesse desVolkes für die Geschichte vermöge einer halb poetischen Behandlungderselben zu wecken. Dieser Versuch war schwierig und gefährlich;er gelang dessenungeachtet nicht nur in Betreff der Darstellung desAbfalles der Niederlande (1788), sondern auch bei der verwickeltenGeschichte des dreißigjährigen Krieges (1790). Man darf freilichdiese beiden Schriften nicht mit den Werken eines ächten HistorikersVergleichen, weil die wahre Geschichtschreibung eine ganz andereAufgabe hat, als den Erscheinungen der wirklichen Welt poetischeHaltung und Rundung zu gewähren, sie nach den Gesetzen der bloßenAnalogie psychologisch zu entwickeln und zu motiviren, und so dieGeschichte für das Gemüth und die Phantasie ansprechend zu machen.Das Verdienst, das sich Schiller durch seine beiden Geschichtswerkeerworben hat, ist kein wissenschaftliches, sondern ein allgemein mensch-liches und nationales. .Er hat sich nämlich der Geschichte bedient,um die verflachten Ansichten des bürgerlichen Lebens zu veredeln,thätiges und aufopferndes Interesse für die größten Wohlthaten desLebens, für Freiheit und Religion, zu wecken, und den starrenjuristischen Reichsgcschichten eine lebendige Darstellung der realenVerhältnisse entgegenzusetzen. Dieser Versuch ist, so oft nachherauch Andere denselben wiederholt haben, ihm allein gelungen, unddie wohlthätige Wirkung, die er dadurch ausübte, war um so größer,da alle ausgezeichneten Geschichtswerke seiner Zeit, sogar Johannvon Müller's Schweizergeschichte, nur einem Theile des gebildetenPublikums zugänglich waren.

Schiller's Wirksamkeit im Publikum war schon sehr bedeutend,als Göthe von seiner ersten italiänischen Reise zurückkehrend sich engean ihn anschloß, und dann Beide durch vereinte Thätigkeit denGeschmack des Publikums zu verbessern suchten. Damals hatte bereitsein Mann, dessen Schriften stets nur von Wenigen gelesen und ver-standen worden sind, eine in ihrer Art ganz eigenthümliche Wirk-samkeit auszuüben begonnen. Dieser Mann war Klinger. Wirmüssen seiner Thätigkeit hier, wo so manche Männer von berühmtemNamen Übergängen werden, mit einigen Worten gedenken, weil erder einzige deutsche Schriftsteller ist, welcher eine vollständige un-mittelbare Anschauung der Höfe, Minister, Fürsten und Regierungengehabt, und die Verhältnisse des Lebens in allen ihren Gestaltungen