Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Französische Literatur zur Zeit der Republik.

Sinn aller Schwachen und Zartfühlenden nach dem Lande, inwelchem fromme Kunst und glanzvoller äußerer Cultus den Mangelder Sittlichkeit erträglich machen.

2. Französische Literatur.

Die Revolution, welche in Frankreich das politische? und socialeLeben der alten Zeit rasch vernichtete, hat auf die Literatur derFranzosen keinen ebenso unmittelbar umgestaltenden Einfluß aus-geübt. Es behauptete sich vielmehr während derselben die Poesie,Philosophie und Beredsamkeit der monarchischen Zeit oder die soge-nannte akademische Bildung, obgleich diese den Verhältnissen nichtmehr entsprach, und obgleich sich schon damals ahnen ließ, daß sieeiner anderen Art von Bildung werde weichen müssen. Dasselbegilt von der Zeit des Kaiserthums. Erst nach Napoleon's Sturzdrang die in der republikanischen und kaiserlichen Zeit blos vor-bereitete neue Art von Literatur und Bildung durch, welche ein son^derbares Gemisch von misverstandener deutscher und griechischerPoesie und Philosophie, von alter Wortgläubigkeit und von neuerGenialität war.

Am Anfange der republikanischen Zeit redete und schriebman wie Montesquieu, Voltaire und Türgot, zur Zeit der Schreckens-herrschaft wie Rousseau, oder vielmehr man hinkte den Heroen desachtzehnten Jahrhunderts nach. Der originelle Styl eines Marat,Prüdhomme, Hebert und Babeuf (s. Th. XVII., S. 184, 193 ff.,329 und 418 ff.) und die Beredsamkeit eines Camille Desmoulinsund Danton paßten nur für die Zeit der Schreckensherrschaft. So-bald diese beseitigt war, wurde die alte Manier wieder allgemeinherrschend. Die wenigen Schriftsteller und Dichter, welche schon inder revolutionären Zeit eine Bedeutung erhielten, gehörten in Hin-sicht auf Bildung, Geschmack und Schreibart der alten Zeit an. Siewandten die rhetorische Manier und den akademischen Styl dieserZeit für ihre demokratischen Zwecke an, und mischten blos Dreistigkeitund Übertreibung bei. Die meisten von ihnen blieben sogar, trotzihres Schwärmens für die neuen Grundsätze, auch innerlich wie siegewesen waren.

Unter diese Schriftsteller der Revolutions-Zeit gehört der Mar-quis Condorcet (s. Th. XVII., S. 276 und 282), der eine