Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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4tz8 Geschichte -er neueren Zeit.

Die Letztere las sogar, was bei Napoleon's Abneigung gegen allesNeue und Schwärmerische auffallend ist, die beiden ersten SchriftenChateaubriand's, des Schöpfers der französischen Romantik, imSalon Joseph Bonaparte's vor.

Eine in Deutschland ganz ungewöhnliche und deshalb für unsunbegreifliche Rolle spielte ein Herr Joubert in den litterarischenSalons der Kaiserzeit. Dieser Mann hat nämlich nicht durch seineSchriften, welche erst nach seinem Tode erschienen sind, Bedeutungund Einfluß gehabt, sondern er machte sich, wie kurz vorher inEngland Johnson (s. Th. XVII., S. 73 ft), in den Salons alseine Art von kritischem Orakel geltend. Er erhielt in diesen Kreisenals Kritiker ein solches Gewicht, daß Fontanes, Chateaubriand undandere Schriftsteller es sich angelegen sein ließen, sein Urtheil überihre Schriften vor dem Drucke zu vernehmen, um dasselbe zu derenVerbesserung benutzen. Auch Joubert kannte nichts Höheres, als dasPariser Leben unter Ludwig X V. Dieses war ihm ganz zur anderen Naturgeworden; er und seine Freunde können daher auch als der zumletzten Male erscheinende Grund-Typus jener geistreichen Gesellschaftender alten Zeit betrachtet werden, in denen man Alles mit der feinstenManier besprach, ohne jemals in das Innere des behandelten Gegen-standes einzudringen. Ein Franzose unserer Tage sagt deshalb vonJoubert und seinem Freunde Fontanes, dieser sei der letzte Dichterder klassischen Zeit, jener aber der letzte von den Männern gewesen,welche blos hörend und sprechend thätig waren und dessenungeachtetin den Gesellschaften die Entscheidung gaben. Demselben Franzosenentlockten die erwähnten geselligen Zusammenkünfte den Ausruf:„Ach diese Damen! Sie sind der letzte Rest der geistreichen Unter-haltungsgabe des achtzehnten Jahrhunderts! Sie nehmen das Ge-heimniß derselben mit ins Grab!" Übrigens entwickelte sich indiesen Kreisen schon der Geist, welcher nach Napoleon's Zeit dasWesen der Literatur bildete. Es war nämlich der positive, orthodoreTheil der Literatur des achtzehnten Jahrhunderts, den man zugleichmit ihrer höfischen Feinheit und grammatischen Reinheit aufrecht zuerhalten suchte, oder mit anderen Worten es wurden in jenen Kreisendie Elemente dessen gehegt, was zur Zeit der Restauration jenenJesuitismus bildete, der in der Literatur durch Romantik und So-phistik, im Leben durch Verfolgungen wirkte.