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Biographische Denkwürdigkeiten III : ; Biographische Denkwürdigkeiten IV ; Johannes von Müllers Lebensgeschichte von ihm selbst beschrieben / herausgegeben von Johann Georg Müller
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rsr.

Berlin, is Jänner IS05.

Allgemein erfreulich war mir dein Brief vom neuenJahre, mein liebster Bruder, mein Freund! Es warin demselben ein heiterer Frohsinn, den ick sehrliebe, der dir so schön steht. Meines Orts kannich kaum begreifen, wie mit mir in Einem Jahreso viel geschehen konnte: sieben Monate auf Reisen,die ganz neue Einrichtung, Vollendung eines Buchs,Notizen vieler anderen, und doch 59 erceepirt. Un-ter den Gnaden Gottes, die du herzählest, ist inmeinen Augen die größte, die Herstellung unsererGeliebten, deiner Frau. Jage, furchte nie. Gottwird alles wohl machen. Nur fest geglaubt, sagteder General Iiethen, mit Zweiflern weiß Gott nichtsanzufangen. Die ehrwürdige Mama Riedeselund ibre Töchter sehe ich öfters; da sieht man daswahre Ideal häuslicher Liebe und Tugend; es istalles so zärtlich verbunden, und im Ganzen so glück-lich; auch die Jünglinge in der Familie so groß,und herrlich, und brav. Nur die Gräfin Reuß(darum sagte ich vorhin, im Ganzen) leidet, anWassersucht; sie ist, glaube ich, Gustche», eine vor-treffliche Frau, voll Seele und Kraft, auck so bravihr Mann. -

Gegenwärtig habe ick eine Vorlesung über denGeist der GesckichteFriedrichs II ausgearbeitet, wel-che , wenn die Liieren Mitglieder Zeit übrig lassen,AN Donnerstag öffentlich vorgetragen werden wird.Du bekommst sie bald zu lesen. Du wirst sehen,