Band 
[Fünfter Band. H - K.]
Seite
69
JPEG-Download
 

T h e o r i e.

69

lieh bedeutend erwärmt wird, so dafs eine nicht unbeträchtlicheMenge Wasserdampf in die höheren Regionen aufsteigt, wonoch im Ganzen die kalten winterlichen Luftströmungen herr-schen, Einen sehr auffallenden Beweis dieser noch vorhandenengröfseren Kälte giebt der Umstand, dafs die Nächte dann nochmeistens sehr kalt sind 1 , und dafs man sowohl am Thermometerals auch an sich eine empfindliche Kälte wahrnimmt, sobald dieSonne durch die dann gewöhnlichen dicken Wolken nur mo-mentan etwas verdunkelt wird. Wegen der im Ganzen herr-schenden kalten und trocknen Luft, welche sich im Frühjahreoft auch dann ankündigt, wenn die unteren Luftschichten durchdie kräftige Wirkung der anhaltend bei heiterem Himmel er-wärmenden Sonnenstrahlen eine höhere Temperatur annehmen,ist die Verdampfung des Wassers von der Erde bei den vorherr-schenden Graupelschauern bedeutend stark, und erklärt die be-kannte Erfahrung, dafs bei den häufig uifff zuweilen mehrmalsan einem Tage wiederkehrenrlen Regenschauern der Bodenleicht Trockenheit zeigt, und die Vegetation, insbesondere insandigen Gegenden, nur langsam fortschreitet; denn vielesWasser geben solche Strichregen insbesondere im nördlichenDeutschlande nicht. Die mit Wasserdampf gesättigten Luft-schichten steigen dann durch ihr geringeres specifisches Gewichtals Folge theils ihrer Erwärmung, theils ihres grofsen Dampf-gehaltes in die Höhe, und werden wegen der schlechten Wär-meleitungsfähigkeit der Luft nicht eher abgekühlt, als bis siedurch einen Windstofs oder das Eindringen der umgebendenkälteren Luftschichten in ihre Masse, bewirkt durch einen par-tiellen Niederschlag oder eine sonstige Ursache, mit den kälternLuftschichten gemengt sind. In dem Augenblicke, wenn diesesgeschieht, erfolgt eine Vereinigung des Wasserdunstes zu Re-gentropfen, oder zusammenballenden Schneeflocken, welche inder kalten umgebenden Luft zusammensintern, und je nach demquantitativen Verhältnisse und der niederen Temperatur der bei-gemischten kalten Luft wird aller Wasserdunst in Graupeln undSchnee, oder Graupeln allein oder Graupeln mit nachfolgendemRegen verwandelt, die ganze Wolke und mit ihr durch Raum-

1 In solchen Zeiten sind Nachtfröste sehr häufig und am mei-sten zu fürchten, wenn nach den Graupelschauern der Himmel ainAbende heiter wird.