Band 
[Fünfter Band. H - K.]
Seite
677
JPEG-Download
 

Jahreszeiten.

(377

durch ähnliche Umstände bestimmt werden. Wir pflegen vierJahreszeiten anzunehmen , deren Anfang und Ende sich aus demStande der Sonne astronomisch bestimmen lassen, und von die-sen werde ich zuerst handeln, dann aber die Ungleichheiten, wel-che in verschiedenen Gegenden der Erde statt finden , angeben.

Der Wechsel der Jahres*zeiten hängt von der ungleichenHöhe ab , welche die Sonne über dem Horizonte desselben Or-tes in den verschiedenen Theilen des Jahres erreicht. Fiele dieEbne des Aequatorsder Erde mit der Ebne der Erdbahn zusammen,so würde an einem bestimmten Orte der Erde die Sonne immereinen gleichen täglichen Lauf am Himmel haben, und die Abwech-selung von Sommerund Winter fiele dann weg. Aber die schein-bare bahn der Sonne am Himmel ist gegen den Aecjuator ge-neigt, die Sonne befindet sich daher bald nördlich, bald südlichvon demselben, erscheint den Bewohnern der nördlichen Hälfteder Erde höher über dem Horizonte und giebt ihnen einen län-geren Tag, wenn sie nördlich vom Aequator steht. Hiervonhängt theils dieUnglcichheit der Jahreszeiten an demselben Orte,theilsdie entüejjenizesetzte Beschaffenheit der Jahreszeiten auf denbeiden durch den Aequator der Erde getrennten Halbkugeln ab.Wenn dieSonne sich nach ihrer Ankunft im Nachtgleichenpunctedes Widders nördlich vom Aequator entfernt, so tritt für dienördliche Hälfte der Erde eine gröfsere Mittagshöhe der Sonneund ein längerer Tag ein, und dieses Ilöhersteigen , so wie dieZunahme der Tageslänge dauert fort, bis die Sonne beim Ein-tritte in den Krebs ihre gröfste Entfernung vom Aequator erreichthat; dann nehmen auf der nördlichen Halbkugel die Tage wie-der ab und die Tageslänge ist der Länge der Nacht gleich, wenndie Sonne in der Waage den Aequator wieder erreicht. So ent-steht der Frühling, während die Sonne vom Aequator bis zu ih-rer höchsten Stellung, der Sommer, während sie von dieser biszum Aequator fortrückt, der Herbst dauert von diesem Zeitpunctebis zur tiefsten Stellung der Sonne und der Winter endlich vomtiefsten Standpuncte der Sonne, bis sie höher steigend den Ae-quator wieder erreicht. Dafs unterdefs die südliche Halbkugelkürzere Tage gehabt hat, während die Tage auf der nördlichenHalbkugel am längsten sind, erhellet leicht; denn da die nördlichvom Aequator stehenden Gestirne in den Gegenden der südli-chen Halbkugel einen niedrigen Bogen am Himmel durchlaufenund nicht so lange, als die Sterne im Aequator , über dem Ho-