Band 
[Fünfter Band. H - K.]
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Inflexion des Lichtes.

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Beugung des Lichtes heifst. Um die mannigfaltigen und unterverschiedenen Umständen sehr ungleich sich darstellenden Er-scheinungen der Beugung des Lichtes so vollständig, als es dieWichtigkeit des Phänomens fordert, kennen zu lernen, ist esvortheilhaft, sie in der Ordnung, wie sie entdeckt sind, darzu-stellen. Ich werde daher die Bemühungen der einzelnen Phy-siker meistens nach der Zeitfolge erzählen und ihre Meinungenüber diese Erscheinungen mittheilen, indefs mich zugleich be-mühen , bei der Verschiedenheit der Erscheinungen stets aufden Grund dieser Verschiedenheit hinZudeuten.

Grimaldi machte zuerst in der Mitte des 17. JahrhundertsVersuche 1 , wodurch er zeigte, dafs Lichtstrahlen beim Vor-übergehen an festen Körpern eine Beugung erleiden, und zwartheils nach aufsen, als ob der Lichtstrahl sich von dem Körperentferne, theils nach Innen, als ob er nach dem Innern desSchattens hineingezogen werde. Er setzte nämlich schmale un-durchsichtige Körper dem in das dunkle Zimmer fallendenStrahle aus, und fand, dafs ihr auf weifsem Papiere aufgefangenerSchatten breitersey, als er nachdem geradlinigen Fortgange der amRande vorbeigehenden Lichtstrahlen seyn sollte ; aber umgekehrtfand er auch, dafs der erleuchtete Raum, welchen der ins dunkleZimmer einfallende Strahl beschien, gröfser war, als er nach dergeometrischen Bestimmung für gerade Lichtstrahlen seyn sollte.Er nannte diese Erscheinung Dijfraction. Er beobachtete rich-tig die Farbenränder, welche den Schatten eines schmalen Kör-pers theils im Innern des Schattens, theils aufserhalb umgeben.Diese Versuche sind von späteren Beobachtern wiederholt undmit andern in Verbindung gesetzt, und ich brauche daher hie-bei nicht zu verweilen. Aber merkwürdig, und erst durchneuere Beobachtungen als recht merkwürdig ins Licht gestellt,ist eine Beobachtung Giiimaldi’s, die in folgendem Theoremdargestellt ist: Ein erleuchteter Körper kann dunkler werden,wenn ein neues Licht zu dem ihn schon erleuchtenden hinzu-kommt. Die Beobachtung, die er zur Bestätigung dieses Satzesanführt, scheint mir zwar unvollkommen, aber die neuesten Beob-achtungen werden zeigen, dafs die Behauptung richtig ist,und sich weit vollkommener darthun läfst, als es aus Grimal-

1 Grimaldi physico - mathesis de Inmine, coloribus et iride; li-bri dno. Bologna 1665.