Band 
[Fünfter Band. H - K.]
Seite
968
JPEG-Download
 

968

Kraft.

Unterlage stark genug, so bringt dieselbe nicht einmal Bewegunghervor, viel weniger eine beschleunigte, und dafs letztere beimFalle der Körper entsteht, ist blofs Folge der stetigen Einwir-kung der Schwere auf die beweglichen Massen, wobei es aberfraglich ist, ob man hierdurch berechtigt sey, die Kraft selbstallgemein eine beschleunigende zu nennen, obgleich sie einebeschleunigte Bewegung, aufserdem aber Druck und auch Ver-zögerung der Bewegung bei aufwärts geworfenen Körpern er-zeugt. Was Newton 1 beschleunigende Kraft nennt, ist offen-bar nichts anderes als die Schwere, welche, als stetig wirkendund zu der schon erzeugten und vermöge der Trägheit fort-dauernden stets eine neue Bewegung hinzufügend, nothwendigeine beschleunigte erzeugen nuds, ohne dafs deswegen die Kraftselbst eine beschleunigte genannt zu werden verdient. Newtonsagt daher auch ausdrücklich, dafs diese Benennungen blofs derKürze wegen gewählt seyen. Weil sich aber die Wirkungenwie die wirkenden Kräfte verhalten müssen, so folgt nothwen-dig, dafs eine stetig wirkende Kraft in einem Elemente derZeiteine ihrer Stärke proportionale Zunahme der Bewegung erzeugenmüsse. Heifst also die Geschwindigkeit = v, die Zeit =t, dieeiner Zeiteinheit (einer Secunde) zugehörige Bewegung (derFallraum in 1 Sec.) == g , die bewegende Kraft =f, und ist diein einem verschwindenden Zeittheilchen == dt hervorgebrachteBewegung = 2gdt, so erhält man die Proportion dv : 2 gdt= f : 1, woraus die Fundamentalgleichung folst:

dv = 2gfdt.

Daniel Bernoulli 2 3 wandte hiergegen ein, die Natur der wir-kenden Kräfte sey zu unbekannt, als dafs sich aus der Wirkungbestimmt auf die Ursache schliefsen lasse, indem dv auch ebenso gut dem Quadrate oder einer andern Potenz von f proportio-nal seyn könne. Hierdurch wurde L. Euler 3 veranlafst, einenihm völlig befriedigend scheinenden Beweis hierfür aufzustellen,

1 Princ. Def. VII. et VIU. T. I. p. 4. ed. Tessanncck. „Vim ac-celeratricem ad locum corporis, tamqoam efficaciam quandam, de cen-tro per loca singula in circuitu diiFusam ad movenda corpora, quaein ipsis sunt.“ Vergl. Axiomata. Lex II. p. 14.

2 Comm. Pet, T. p. 127.

3 Mechauica, sive Motus Scientia cet. Petrop. 1736. II voll. 4.T. L L. I. §. Il6 —152. Theoria mot. corp. solid.