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[Fünfter Band. H - K.]
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Kraft.

Folge gewisser Reize zusammenzuziehen und beim Nachlassendesselben wieder auszudehnen, welches Vermögen seit Hallerdie Muskelreizbarkeit ( Irritabilitas ) genannt wird. Unter denverschiedenen Reizen können hier nur diejenigen in Betrachtungkommen, welche vom Willen abhängen, weil nur durch diesedie Kraftäufserungen der Menschen und Thiere erfolgen, indemdie Muskeln kürzer, dicker und härter werden, wellenförmigeErhabenheiten bilden, ihre Enden sich nähern und dadurch eineBewegung der Gliedmafsen erzeugt wird. Schon Glisson ^Schwammerdam 1 2 u. A. behaupteten nach ihren Versuchen, dasVolumen der Muskeln nehme bei diesen Zusammenziehungenab, und eben dieses ist auch später durch die von Erman 3 4 ,Gruithuisen 4 u, A. angestellten Versuche erwiesen worden.

Die Muskeln insgesammt ermüden durch anhaltende An-,strengung und werden unempfindlicher gegen Reize, selbst dieautomatisch wirkenden, wie z. B. das Herz und die den Ath->mungsprocefs bedingenden Brustmuskeln, weswegen der Puls-schlag des Abends minder kräftig ist und jn Beziehung auf dieRespiration das Gähnen eintritt. Dagegen werden die Muskelndurch anhaltende Ruhe empfindlicher gegen Reize, weswegendie Irritabilität bei denen erhöhet wird, welche eine sitzendeLebensart führen, namentlich beim weiblichen Geschielte inden höheren Ständen, so dafs sie in eine Geneigtheit zu Kräm-pfen und Convulsionen übergeht. Zu lange anhaltende gänz-liche Ruhe erzeugt dagegen sogar Lähmung, weswegen Men-schen nach langem Liegen weder stehen noch gehen können.Auf gleiche Weise hindert zu starke und zu lange anhaltendeAnstrengung, z. B. bei Märschen u. s. w., die Ernährung derMuskeln, vermindert ihr Volumen und macht sie weniger reizbar.

Haller und einige Physiologen nach ihm hielten die Irri-tabilität für eine von der Sensibilität ganz getrennte Kraft,weil sich bei Mollusken, Würmern und Strahlthieren Bewegungund dennoch keine Nerven fänden und letztere sogar dem Her-zen der Menschen mangelten, Muskeln auch zuweilen ihre Reiz-barkeit beibehiclten, wenn keine Nerventhätigkeit mehr vorhan-

1 Opp. oran. 1691. T. III. p. 191.

2 Bibi, nat. p, 839.

3 G. XL. 1.

4 Beitrage u. ». w. München 1812. 8,