Band 
Sechster Band. Erste Abtheilung. L.
Seite
348
JPEG-Download
 

Genau eben das gilt bei der Zuriickwerfung der Strahlen. Inbeiden Fällen kann aber, wenn dieOeffnungen so klein werden,dafs sie gegen die Länge einer Lichtwelle nicht mehr so bedeu-tend grofs sind, sich die Erscheinung zeigen, die im Art . Jn-flexion als bei sehr feinen, in Glas eingeschnittenen Linien her-vorjiehend anizegeben” ist. Wäre nämlich in A wirklich nurein einziger Tunet zum Einlassen des Lichtstrahls offen undbei a ein zweiter Punct, so würde in dem Puncte F, wo AFund aF genau um eine ganze Wellenlänge verschieden sind,eine Lichterscheinun;? durch Interferenz der Lichtstrahlen kennt-lieh seyn, wie es auch wirklich die Erfahrung zeigt.

Bei dem Durchgänge des Lichtes durch dünne Körper oderbei der Entstehung der Newton’sehen Farhenringe, die ich obenangeführt habe, bietet sich eine der Gelegenheiten dar, die unszur ivenntnifs der Länge der Lichtwellen führen. Hier nämlichwird , nach der Erklärung , welche die Undulationstheorie giebt,die Erscheinung eines durch Zuriickwerfung entstehenden hellenRinges dadurch hervorgebracht, dafs eine von der zweitenOberfläche der dünnen Luftschicht zurückgeworfene Lichtwellemit der von der ersten Oberfläche zurückgeworfenen LichtwelleSO zusammentrifft, dafs sie einander verstärken ; dieses geschiehtda, wo der Zwischenraum der beiden Oberflächen "leich dem

' O

Viertel einer Wellenlänge in der Luft ist, weil nachYouso undFresnel die beim Eintritte in einen dichteren Körper entste-hende reflectirte Welle sich in der genau entgegengesetzten Un-dulationsphase befindet, die sie bei der Reflexion von einemdünnem Medium haben würde, und der Unterschied der Wesealso gleich einer halben Wellenlänge seyn mufs, wenn die zu-sammentreffenden Wellen um eine ganze Wellenlänge verschie-den seyn und folglich sich einander verstärken sollen. Nunbetrug jener Abstand * 1 für die äufsersten violetten Strahlen 4, fürdie äufsersten rothen Strahlen ß,3 Milliontel eines engl. Zolls,und die Länge dieser verschiedenfarbigen Lichtwellen beträgt

mf auch nur gleich der zehntausendfachen Länge einer Lichtwelle(etwa 4 Zoll), so inüfste n schon 100 Wellenlängen betragen, eheder Abstand eine halbe Wellenlänge betrüge, und also 50 Wellen-längen, ehe die Lichtwelleu kommen, die nicht mehr zur Verstär-kung beitragen.

1 Art. Anwandlungen. Bd. I. S. 312.