Band 
Erster Band.
Seite
542
JPEG-Download
 

A N II A 5X 0.

5,3

Nennt man Oekonomie-Handel jene Industrie, welche Waa-,ren im einen Auslande aufkauft, um sie in einem anderenAuslande wieder zu verkaufen, so ist dieselbe schlechtbenannt. Jeder Handelszweig muss mit Oekonoinie be-trieben werden, weil die-möglichste Verringerung der Pro-ductionskosten ebensowohl des Producenten *) als des Con-sumenten Vortheil ist.

Vielleicht haben Diejenigen unter unseren Publicisten,welche vom Handel reden, über Materien geschrieben,welche von ihren Studien allzu fern lagen. Die Einen warenParlamentsräthe**): wie Dutot, Montesquieu undTurgot; die Anderen waren Verwaltungsbeamte: wieFor-bonnais und Dupont de Nemours; oder Land-Edel-leute: wie Mira beau, der Vater; oder schlichte Stuben-gelehrte: wie Melon. Einer der Verfasser des D i cti o n-naire de Commerce, Savary, war Canonicus vonSaint- Maur; Condillac und Raynal waren zumPriesterthum erzogen, und hatten, obgleich, durch ihreAufklärung, über die Vorurtheile ihres Standes erhaben,die Handels-Operationen vielleicht nicht nahe genug mit-angesehen , um sich genaue Begriffe davon zu bilden.

Montesquieu sagt, dass einer Nation, welche sichselber genug ist, der Handel Zusagen könne; keineswegsaber einem solchen Volke, welches in seiner Ileimath nichtsbesitzt***). Aus diesem Grundsätze würde folgen, dasses solchen Völkern, die kein anderes Mittel des Erwerbeshaben, nicht erspriesslich sey, ihren Erwerb im Handelzu suchen! — Allerdings kann man nicht annehmen, dassein Mann von solch umfassenden Geiste, wie Montes-

*) Vergl. Bd. II. S. i36 ff. M.

**) also praktische R ec h ts gel eh r te. M.

***) Geist der Gesetze: Buch XX. Cap. a3. Dies heisst sovielals behaupten: dass es für Venedig, Genua und Hamburg,nicht zuträglich war, sich durch den Handel zu bereichern, weil —ihr Gebiet keinen zur Ausfuhr geeigneten Artikel producirt.