Gerade wie tim das Talent, steht es auch um dieRechtschaffenheit. Ehrliche Leute kann man nurgegen gute Bezahlung haben. Kein Wundert denn esstehen ihnen nicht die bequemen Aushiilfswege zu Gebote,welche die Unehelichkeit sich zu eröffnen weiss*).
Dip, mit der Ausübung von Staatsämtern verbundene,Macht ist eine Art von Gehalt, welche in vielen Fallen dieGeldbesoldung, so dafür ausgeworfen ist, überwiegt. In einem•wohleingerichteten Staate ruht freilich die Hauptmacht inden Gesetzen, und der Willkühr von dessen Dienern istnur Weniges überlassen: so dass diese einen weit beschränk-teren Spielraum für ihre Launen und jene unselige Herrsch-sucht haben, die in jeder Menschenbrust wohnt. Allein seihstdieser beschränktere Spielraum, welchen die Gesetze demErmessen und dem W illen ihrer Vollstrecker denn doch un-vermeidlich überlassen müssen, und die mit hohen Aemterndurchgängig verknüpften Ehrenvorzüge, haben einen wirk-lichen W'efth, um dessent\yil|en sie, selbst in solchen Län-dern , wo sie wenig oder nichts einbringpn, mit Begierdejgpsupht vyerden.
Qb Leute von grossem Vermögen wünschentwerthe
S t a t * b c a m t e $ i n d.
Nach den Gesetzen einer strengen Wirthschaftlichheitkönnte es vielleicht rathsam scheinen, die Geldbesoldungüberall, wo der Eifer der Staatsdiensts-Candidaten durcheinen anderen Gehalt hinlänglich angespornt wird, völlig zaersparen, und die höheren Staatsdienste dadurch ausschliess-lich den Reichen zugänglich zu machen; wenn man nichtGefahr liefe, durch des Beamten Unfähigkeit mehr zu ver-lieren , pls man durch Einziehung seines Gehaltes ersparenwürde, »Dies hiesse gerade soviel«, sagt Platon, in seinerRepublik, »als, auf einem Schiffe, Einen für seid Geld zum»Steuermanne machen wollen. Ausserdem ist zu besorgen,
*) „Oje Engländer haben pbpn darqm gute Cnnsuln (Geschäfts-,,träger in Handelsverhältnissen), weijslialb sie auch gute Handarbei-ter liabpn: nämlich weil sie dieselben gut bezublgn.“ Felix Bcau-jour: Leber dg,, Handel von GriechenIand. Ld. H. S. 3.