1757
Strömungen.
die* Winde; diese, in Verbindung mit der Gestalt der Länderunid Küsten, der wechselnden Tiefe des Meergrundes undsomstigen örtlichen Verschiedenheiten, bedingen die Gröfse,Richtung und Dauer der Meeresströme. Rücksichtlich ihrerDamer sind sie beständige oder wechselnde, und die letztementweder periodische oder veränderliche, in Beziehung aufihre Tiefe unterscheidet man aber ganze Strome (bodily cur~rent '), Unterströme und Oberströme . Man entdeckt sie durchden Einflufs, den sie auf die Schilfe oder sonstige in sie kom-mende Körper ansüben, jedoch sind sie im tiefen Wassernicht leicht aufzufinden, und noch schwieriger ist es, ihre Ge-schwindigkeit genau zu messen. Ganze Ströme und Oberströ-me weiden leicht durch das Forttreiben der Schilfe oder son-stiger auf ihnen schwimmender Körper gemessen und im seich-ten Wasser am leichtesten und sichersten dadurch, dafs maneinen schweren Körper auf den Boden hinabsenkt und dieZeit bestimmt, während welcher sich ein Boot eine gewisseStrecke von ihm entfernt. Wenn man aber, wie gewöhn-lich geschieht, einen schweren Körper, z. B. einen eisernenKessel, an einem Taue hinabsenkt und dann die Richtungsowohl, als auch die Geschwindigkeit aus der Ablenkung desTaues von der verticalen Linie bestimmen will, so ist diesesein unsicheres und oft ein gar nicht anzuwendendes Mittel,insofern es blofs das Verhältnifs der Bewegungen an der Ober-fläche und in gröfserer Tiefe angiebt. Um die Richtung undGeschwindigkeit der gröfsern, für die Schilffahrt bedeutendenStrömungen aufzufinden, wenn man kein Land sehen und dasSchilf nicht vor Anker legen kann, pflegt man den Lauf desSchilfes aus der Beobachtung, der Länge und Breite und nachder Schilfsrechnung zu bestimmen, deren Unterschied als eineFolge der Strömungen betrachtet wird.. Es erfordert jedochgrofse Aufmerksamkeit, die Schilfsrechnung mit gehöriger Ge-nauigkeit für diesen Zweck zu führen L
82) Die gTÖfste Meeresströmung ist die allgemeine west-liche 1 2 des ganzen Oceans in der äquatorischen Zone und an
1 Sabine Account of Experiment» cet: p. 426.
2 Der bei den Schillern eingeführte Sprachgebrauch ist, dafsder Wind nach derjenigen Weltgegend benannt wird, woher erkommt, das Wasser dagegen, wohin es fliefst. Der unter den Tro-