1908
Meteorologie.
überzeugt werden, und ich wünsche daher, dafs die nachfol-genden Betrachtungen , die dadurch nothwendig werden , dafsich die Sache hier einmal nicht ganz übergehn kann, nur alsein Versuch gelten mögen, etwas Bestimmtes darüber festzu—stellen. Betrachten wir zuerst, wie bisher geschah, die At-mosphäre an sich und ohne ihre regelmäfsigen und wechseln-den Schwankungen, und berücksichtigen wir zugleich, dafs dieHöhe der Quecksilbersäule unter verschiedenen Breiten nichtan sich, sondern nur als durch den Druck der auf ihr ru-henden Luftsäule gegeben betrachtet werden kann, so darfvor allen Dingen nicht übersehn werden , dafs nach statischenGesetzen ein Gleichgewicht im ganzen Luftmeere statt findenmufs. Es scheint mir hiernach nicht genügend und auf jedenFall nicht deutlich einleuchtend zu seyn, mit Hawsteejt zusagen, es finde zwischen der Länge der Quecksilbersäule unddes Pendels das nämliche Verhältnifs statt und müsse daher dieerstere unter dem Aequator auf gleiche Weise länger, als dasletztere kürzer seyn, oder mit Poggeitdorff die Höhe des Ba-rometers für sich als eine solche zu betrachten, die einer über-all gleich schweren Luftsäule das Gleichgewicht halten müsse;denn dafs auch die Schwere der Luft unter dem Aequator,auf gleiche Weise, als die des Quecksilbers, geringer sey,unterliegt keinem Zweifel. Berücksichtigt man die hierbei ob-waltenden Bedingungen einseitig, so ist kaum zu vermeiden,dafs man in Irrthümer verfalle. Folgendes scheint mir hier-bei im Einzelnen ifestzustellen, wenn man zu einem rich-tigen Endresultate gelangen will. Zuerst verliert die Luft anSchwere unter dem Aequator auf gleiche Weise, als das Queck-silber, und für den Zustand des Gleichgewichts beider Flüs-sigkeiten müfste daher die Barometerhöhe unter allen Breitengleich seyn, insofern die Barometerhöhe als eine Folge desDrucks der Luftsäule betrachtet wird und die Verminderungder Schwere sich daher bei beiden gleichmäisig compensirt.Zweitens ist aber die Luft unter dem Aequator durch Wärmemehr ausgedehnt, sie enthält ungleich mehr Wasserdampf, istsonach leichter und hieraus würde also eine geringere Höheder sie balancirenden Quecksilbersäule folgen. Drittens aberwird die Luftsäule durch die Schwungkraft weit stärker affi-cirt, . als di» Quecksilbersäule, weil sie ungleich länger unddie Geschwindigkeit ihrer Bewegung bei der Rotation der Erde