207S
Meteorologie.
an Wahrscheinlichkeit zunimmt, wenn man die Temperaturdes Octobers zugleich berücksichtigt. Ist nämlich der Juliheifser als der August und zugleich der October kalt, fallenüberhaupt kalte Stürme mit Graupeln in die zweite Hälfte desOctobers, so folgt ein strenger Winter. Als nicht ganz ver-werfliche Vorzeichen des allgemeinen Charakters der Witte-rung dipnen ohne Widerrede diejenigen Gestaltungen desselben,welche in die Zeiten der Wendepuncte der Sonne fallen, wiesich auch aus dem Einflüsse der hierdurch bedingten Luft-strömungen und tropischen Regen leicht erklären läfst. Inder Regel pflegt das Wetter zur Zeit der Solstitien und Son-nenwenden einen bestimmteren Charakter anzunehmen unddann im Ganzen diesen beizubehalten, weswegen auch diehierauf gegründeten, an gewisse Tage gebundenen Prophezei-ungen der Landwirthe keineswegs ganz verwerflich sind. Weitunsicherer sind die aus den Lunationen hergenommeoen Re-geln, sofern sie sich hierauf beziehn , wie hach man auch seitalten Zeiten diese durch Pilgram 1 2 vorzüglich hervorgehobe-nen zu stellen pflegt. SciiÜbler 2 .hat untersucht, mit wel-cher Wahrcheinlichkeit’ sich vom 3ten , 4ten und 5len Monds-tage auf das Verhalten der Witterung im ganzen folgendenMondmonate schliefsen lasse, und aus dem-Resultate geht al-lerdings mindestens einige Wahrscheinlichkeit der SchluTsfol-gerungen hervor, allein dieses Resultat ist täuschend, dennerstlich wer Jen die Regentage oder heiteren Tage, welche alsVorzeichen dienen sollen, in der Summe mitgezählt, die hier-durch also wachsen mufs, und aufserdem behält die beste-hende Witterung ihren angenommenen Charakter in der Regeleinige Zeit bei, weswegen man nach jeder anderen Periodegleich richtig schliefsen würde. Auf diese Ilegelmäfsigkeitim Verlaufe der Witterung, wenn sie einmal einen bestimm-ten Charakter angenommen hat, beziehen sich auch die durchLAMrADrus 3 4 bemerkten Perioden, deren Grund nach Dove’s*Untersuchungen in einer nach gewissen Gesetzen erfolgenden
1 Ueber das Wahrscheinliche der Wetterkunde. Wien 1788.Abth. II. S. 438. Die bekannte Regel heilst: Prima, secunda nihil,tertia aliquid; quarta et quinta qualis, tota est lunatio talis.
2 Grundsätze der Meteorologie o. s. w. Leipz. 1831. S. 192.
3 Schweigg. Journ. Th. LVII. S. 26S.
4 Poggendorff Aon. XL 545.