476
Phosphor.
■Wickelung und Bildung eines Nebels verbunden; die sich bil-dende phosphorige Säure verbindet sich mit dem in der Luft ver-breiteten Wasserdampfe zu einem Syrup und geht durch weite-res Anziehen von Sauerstoff in ein Gemisch von phosphorigerund Phosphor-Säure über, welches einige Chemiker alseineeigenthümliche Säure, die phosphatische oder Unterphosphor-Säure, betrachten. Die phosphorige Säure erscheint in wasser-freiem Zustande in zarten , weifsen , leicht verdampfbaren Flok-ken von knoblauchartigem Gerüche und stechend saurem Ge-schmacke. Sie bildet mit Wasser ein krystallisirbares Hydrat,welches beim Erhitzen in nicht bei gewöhnlicher Temperaturentzündliches Phosphorwasserstoffgas und in zurückbleibendesPhosphorsäure-Hydrat zerfällt. Sie zerfliefst an der Luft zuSyrup; mit Salzbasen bildet sie weniger in Wasser lösliche Salze,als die unterphosphorige Säure, welche beim Erhitzen unterZersetzung des in ihm noch enthaltenen Wassers in phosphor-saure Salze und in WasserstolFgas zerfallen.
Die Phosphorsäure (16 Phosphor auf 20Sauerstoff) entstehtbeim raschen Verbrennen des Phosphors, so wie bei seinerOxydation durch Salpetersäure und viele andere Sauerstoffver-bindungen. Die rasche Verbrennung des Phosphors in Luft oderSauerstoffgas erfolgt unter den gewöhnlichen Umständen unge-fähr bei (30° ; doch kann die bei gewöhnlicher Temperatur ein—tretende langsame Verbrennung durch die hiermit verbundeneWärmeentwickelung unter günstigen Umständen in die rascheVerbrennung übergehn; auch entzündet sich der Phosphor beigewöhnlicher Temperatur unter der Glocke einer Luftpumpe,wenn man ihn mit Baumwolle, Harz- oder Schwefelpulver be-deckt und die in der Glocke enthaltene Luft rasch verdünnt,eine Erscheinung, die mit der eben erwähnten Begünstigung deslangsamen Verbrennens durch Verdünnung des Sauerstoffgaseseusammenhängt.
Auf der raschen Verbrennung des Phosphors beruht seineAnwendung zu Phosphorjeuerztugen , von denen folgende diewichtigsten sind. 1) Man bringt in ein kleines Glas ein StückPhosphor, den man durch gelinde Wärme schmelzt und dannerkalten läfst. Beim Gebrauche drückt man ein Schwefelholzstark gegen den Phosphor, so dafs sich etwas anhängt, und reibtes dann so lange auf Holz, Kork u. s. w. hin und her, bis derPhosphor durch die erzeugte Wärme entflammt wird. Bisweilen