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erfüllt, nicht allein da, wo sie an Volk oder Stände ihre Allein-herrschaft eingebüßt hat, sondern sie fährt auch fort, sie selbst dazu erfüllen, wo sie, noch im Besitz ihrer Macht, jenem Berufeentgegen wirken zu müssen und entgegen zu wirken meint.
Die politische Entwickelungsstufe, auf der wir demnach dieganze, im engeren Sinne so genannte' neuere Zeit (von denr^s^^»Falle des byzantinischen Reichs bis auf unsere Tage) stehen sehen,ist der Uebcrgang von der Herrschaft der Mehreren zu der derVielen unter den wechselnden Förderungen und Hemmungen derAbsolutie. Diese einzige Erscheinung nimmt diesen weiten Zeit-und Spielraum vollständig ein. Die ähnlichen Entwickelungenzogen sich sogar in dem kleinen Griechenland durch zwei Jahr-hunderte hin; in dem neueren Europa, in so ungleich größerenRäumen und Verhältnissen, dauern sie noch heute im viertenJahrhundert fort. Die ganze Zeit von dem Ausgang des Mittel-alters bis zu uns füllt ein einziger Kampf der demokratischenIdeen, die durch die Reformation in die Geschlechter geworfenwurden, mit den aristokratischen Einrichtungen deö Mittelalters,und mit der zwischen beide Elemente geschobenen Absolutie, diesich abwechselnd bald den alten feudalen, bald den neuen bürger-lichen Ordnungen zugethan zeigt, bald auf das Bürgerthum ge-stützt und für dessen Bedürfnisse besorgt die Aristokratie demüthi-gen hilft, bald wieder in den Schutz der Aristokratie geflüchtet dieaufstrebende Macht der unteren Volksklassen bekämpft. Noch inden Zeiten der französischen Umwälzung, hart vor dem Zeitraum,der den Gegenstand unserer geschichtlichen Darstellung bilden soll,rangen alle diese gegnerischen Kräfte, fast wie in einer ersten Hef-tigkeit, in einem scheinbar letzten Kampfe; allein die ganze Ge-schichte auch des gegenwärtigen Menschenalters ist nichts anderes,als eine Erneuerung desselben noch immer ungcschlichtcten Streites
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