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dert. Als dann Columbus seine großen Entdeckungen machte, öff-neten sich für Rom und Spanien neue unermeßliche Aussichten;sie verstärkten das Band zwischen Beiden. Sie waren ein wun-derbarer Ersatz für den verlorenen Osten, ein neuer Boden zurAusbreitung der hierarchischen Macht Rom's, wie der territoria-len der spanischen Fürsten. Der Pabst beschenkte diese „aus derFülle seiner apostolischen Gewalt" mit den neuen Gebieten desWestens und gestattete ihnen, in nachher bereuter Uebereilung, inden Colonien die Zehnten zu erheben und die geistlichen Stellen zuvergeben. Die Unternehmungen des Columbus waren unmittel-. bar nach dem Kriege von Granada unternommen worden, indemselben abentheuerlichen Sinne wie diese, und in der gleichenchristlich-zelotischen Bekehrungswuth; sie trieben die Habsucht,den Fanatismus, das Ueberspanute in dem spanischen Charaktervollends bis zu der Höhe, wo er fähig ward, den Vorspiegelun-gen des gränzenlosesten Ehrgeizes wie der wunderlichsten Leicht-gläubigkeit blind nachzugehen, und sich den barbarischsten Anstal-ten der kirchlichen Glaubenswnth, den alten Freiheiten znm Trotz,demüthig zu fügen. Die Wiederbelebung dieses finsteren westgo-thischen Geistes in dem mächtigsten Staate, in dem übermüthigenHause, das bald Oesterreich, Burgund und Spanien zugleich beherr-schen sollte, gab der alten und herkömmlichen geistlichen Gewalt derHierarchie eine erneute Bedeutung. Diese geistliche Gewalt bil-dete zu der weltlichen Macht der Päbste erst die Unterlage, die siestark machte. Sie begründete die furchtbarste aller Despotien undUniversalmonarchien, die die Welt je sah, durch die gleichmäßigeBeherrschung der drei großen Ordnungen der menschlichen Gesell-schaft, des Hauses, der Kirche und des Staates. In dem Hansefesselte sie des Menschen Bildung und Gewissen an ihre Will-kühr; sie empfing ihn bei feiner Geburt, bereitete ihn in derSchule nach ihrem Bedürfniß und entließ ihn bei seinem Eintritt